Seit der Preisrummel auch die letzte deutsche Gemeinde erfaßt hat und es wohl längst mehr Preise als wirklich Preisenswerte gibt, ist es leichter, eine solche Auszeichnung zu bekommen, als sie zu vergeben.

Jetzt hört man von Preissorgen auch aus dem Westfalenland. Dort soll im September der mit 5000 Mark dotierte Konrad-von-Soest-Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der bildenden Künste verliehen werden. Ärgerlicherweise hat nun aber in diesem Jahr eine große westfälische Kunstausstellung nicht stattgefunden, so daß sich kein Westfalensohn als der Preiswürdige sichtbarlich qualifizieren konnte. Also mußte ein Kreis von "Vorschlagsberechtigten" eiligst in Aktion treten und der Jury Augen auf die im Lande verstreuten "schöpferischen Kräfte" lenken.

Diese so gar nicht repräsentative Erledigung der Sache hat nun die Westfalen schwer verdrossen. Im Landschaftsverband, der neben der Vergabe des Konrad-von-Soest-Preises auch noch mit der des Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises für Literatur belastet ist, wird daher jetzt erwogen, den Kunstpreis hinfort nicht mehr alle zwei, sondern nur noch alle drei oder gar vier Jahre zu vergeben, damit es leichter sei, einen Preiswürdigen zu finden.

So sehr man darob schmunzeln mag – hier eröffnet sich doch, scheint uns, ein gangbarer Ausweg aus unserem allgemeinen Preisdilemma. Will und kann man (was sicher das Vernünftigste wäre) die meisten der Preise, die man schuf, nicht wieder im Orkus versinken lassen, so sollte man sie zumindest seltener vergeben. Die stiftenden Institutionen würden ihr Gesicht nicht verlieren, die gequälten Kunstrichter würden aufatmen und beide dürften wieder Hoffnung haben, den richtigen Preis auch an den richtigen Mann bringen zu können. h. g.