Das Kuratorium "Freies Wochenende" in München, das, besorgt um das seelisch-leibliche Wohl der großen und kleinen Manager im Lande, unlängst an alle Organisationen appellierte, doch mindestens ein Wochenende im Monat "völlig versammlungs- und kongreßfrei" zu halten – dieses sehr lobenswerte Kuratorium steht neuerdings mit seinem Appell nicht mehr allein da. Aus Moskau nämlich kommt die Kunde, das sowjetische Außenministerium habe die ausländischen Missionen ersucht, ihre diplomatischen Empfänge tunlichst nicht mehr am Wochenende veranstalten zu wollen – sofern ihnen am Erscheinen der obersten Sowjetführer irgend gelegen sei. So wird nun also auch der Sonntag, als christlicher Ruhetag von den Sowjets abgeschafft, vor aller Augen "rehabilitiert" – zwar nicht als christlicher Feiertag, wohl aber als willkommene Weekend-Gelegenheit.

Das erwähnte Zirkular des Außenministeriums soll nun aber Bulganin, Chruschtschow und den anderen Sowjetführern nicht nur zu sonntäglicher Ruhe verhelfen, sondern sie auch von der allwöchentlich wiederkehrenden peinlichen Entscheidung befreien, entweder einem diplomatischen Empfang oder ihrer Datscha, dem Landhaus vor den Toren der Hauptstadt, fernzubleiben. Denn so sehr die hochgestellten Sowjetpersönlichkeiten auf einen engen Kontakt mit den ausländischen Diplomaten bedacht sind – so wenig wollen sie sich offenbar ihr (einst zum bourgeoisen Lebensstil des Moskauer Großbürgertums gehörendes) Datscha-Wochenende, auf dem sogar die Kommunistenpartei sie in Ruhe läßt, von irgendeiner Diplomatenparty verderben lassen. H. G.