Die Sowjetunion ließ durch ihren Geschäftsträger in Rom einen Abrüstungsappell an Papst Pius XII. überreichen und schied dabei streng zwischen dem "Papst als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche" und dem "Papst als Oberhaupt des Vatikanstaates" (in der letztgenannten Funktion nur war er Empfänger der russischen Note). Es scheint so, als ob auch hier neue Erwägungen die einst von Stalin ("wieviel Divisionen hat der Papst?") zum Ausdruck gebrachte Geringschätzung des Vatikans verdrängt haben. – Mit der deutschen diplomatischen Vertretung beim "Papst als Oberhaupt des Vatikanstaates" und der römisch-katholischen Kirche befaßt sich dieser Bericht unseres Mitarbeiters.

Rom, im August

Via Bruxelles Nr. 34: Eine moderne, fünfstöckige römische "Palazzina" am Rande des eleganten Parioli-Viertels. Das übliche marmorverkleidete Entrée. Neben der Portiersloge eine Miniaturfontäne. Nichts Besonderes in dieser nach außen lebenden Weltstadt. Im Hochparterre rechts hat die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl eine Achtzimmerwohnung. Wahrhaftig ein bescheidener Ort, wenn man an die frühere Residenz der Botschaft, an die schöne, von einem herrlichen Park umgebene Villa Bonaparte denkt, in der vor über einem Jahrhundert die berückende Paolina Borghese, die Schwester des Korsen, hofhielt. Die Villa wurde von den Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg den Franzosen zugeteilt. Jetzt sitzt dort ihr Botschafter beim Vatikan, Comte d’Ormesson.

Diese Bescheidenheit paßt zu dem Geist, den man in der Deutschen Botschaft beim Vatikan zu spüren meint. Das preußische "Mehr sein als scheinen" ins Zivile und Urbane übertragen – dieses Gebot ist es, das dort unaufdringlich gilt. Das kommt gewiß zu einem großen Teil von den ganz speziellen Aufgaben, die dieser diplomatisches Vertretung der Bundesrepublik obliegen, aber unverkennbar liegt das auch an dem Team, das dort arbeitet. Botschafter Wolfgang Jaenicke, dieser aus Schlesien stammende Protestant, macht einem sofort, ohne ein Wort darüber zu verlieren, deutlich, daß die Botschaft nicht etwa konfessionellen Interessen, sondern die Interessen der Bundesrepublik wahrnimmt. Er ist Deutschlands dritter Vertreter beim Vatikan Seine Vorgänger waren Freiherr von Weizsäcker (bis 1945). Nach dem zweiten Weltkrieg blieb der Posten neun Jahre lang unbesetzt. Friedrich der Große war es, der einen Italiener, Giovanni Antonio Coltrolini, zum ersten Vertreter Preußens am päpstlichen Hof ernannte. Ihm folgten später so illustre Männer wie Wilhelm von Humboldt, Barthold Niebuhr und Christian Frhr. von Bunsen.

Kurz nach der Gründung der Weimarer Republik wurde eistmalig ein Botschafter des Reiches beim Heiligen Stuhl akkreditiert. Gleichzeitig ging Eugenia Pacelli, der jetzige Papst, als erster Nuntius für Deutschland nach Berlin.

Deutschland ist nicht das einzige Land, dessen Bevölkerung nicht überwiegend katholisch ist, das aber dennoch diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl unterhält. Unter den 48 diplomatischen Vertretungen beim Vatikan befinden sich zum Beispiel auch eine britische, holländische, finnische, japanische, indonesische und indische.

Die deutsche Vatikanbotschaft hat einen weitgespannten Aufgabenkreis, in dem das mehr am Rande Liegende, unter aktuellen politischen Aspekten betrachtet, wichtiger erscheint, als die Vermittlung bei Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des 1933 zwischen dem Deutschen Reich und der katholischen Kirche abgeschlossenen und von der Bundesregierung anerkannten Konkordats.