Roman der Weltallforschung – Die Geschichte der Astronomie –

I. Verrutschte Tierkreiszeichen

Von Rudolf Thiel

Hier ist zum ersten Male der Versuch gemacht, den Inhalt der Astronomie als Geschichte darzustellen, als Roman zu erzählen. Damit setzt der Rowohlt-Verlag, in dem das Buch unter dem Titel „Und es ward Licht“ erscheinen wird, eine Reihe bedeutender Veröffentlichungen fort, die mit Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“ begann, Veröffentlichungen, die das Dunkel unserer Herkunft erhellen.

Wer sich für sein Geburtszeichen am Himmel interessiert, wird dankbar sein für die Berichtigung eines Irrtums. Zwischen 21. Juli und 21. August geboren zu sein, macht einen angeblich zum Löwen. Astronomisch aber nicht, denn zu dieser Jahreszeit steht an der entscheidenden Stelle das Sternbild des Krebses. Dasselbe gilt für sämtliche 12 Tierkreiszeichen: ein „Krebs“ ist in Wahrheit in den Zwillingen geboren, ein „Zwilling“ tatsächlich im Stier, und so weiter: immer das folgende Sternbild ist das Richtige.

Diese merkwürdige Tatsache ist wenig bekannt. Sie beruht darauf, daß der Tierkreis ständig verrutscht. Seit den alten Griechen hat er sich ungefähr um einen Monat verschoben, so daß heute der Krebs an der Stelle des Löwen steht, die Zwillinge an Stelle des Krebses, der Stier an Stelle der Zwillinge.

Man fragt: Was bleibt da übrig von dem Einfluß der Gestirne auf den Menschen? Nun, wenn die Sternbilder ihre Funktionen vertauscht haben, wenn der Krebs heute das bewirkt, was seinerzeit der Löwe tat, gibt es keine spezifischen Wirkungen der Tierkreiszeichen! Die Astrologen sagen: Es kommt nicht auf das Sternbild an, nur auf den Himmelssektör. – Aber damit ist der Einfluß der Gestirne auf den Menschen erst recht abgetan. Die Himmelssektoren, die den Astrologen übrigbleiben, sind weiter nichts als zwölf Sehwinkel des Globus. Von den Planeten abgesehen, hat Astrologie mit dem Himmel überhaupt nichts mehr zu tun.