E. R. S., New York, im August

Die einundneunzigtägigen "Treasury Bills", die Schatzwechsel des Federal Government, sind in den letzten drei Wochen nur zu steigenden Zinssätzen zu placieren gewesen: sie waren letzthin nur zu 2,603 v. H. p. a. zu verkaufen, doch noch um den 20. Juli waren die Käufer mit einem Ertrage von 2,303 v. H. zufrieden gewesen. Entsprechend hat sich auch die kurzfristige Geldaufnahme der Industriegesellschaften und der Finanzierungsgesellschaften verteuert. Am Obligationenmarkt hat die Aufnahmebereitschaft so stark nachgelassen, daß eine Reihe von Aktiengesellschaften und Kommunalbehörden von geplanten Emissionen Abstand genommen haben. Die Zinsen, die man von ihnen verlangte, waren ihnen zu hoch ...

Man hat hier inzwischen eingesehen, daß die inflatorischen Tendenzen innerhalb der amerikanischen Wirtschaft doch sehr viel stärker sind als die deflatorischen, die sich im Produktionsrückgang verschiedener Industriezweige und vor allem der Autoindustrie dokumentiert haben. Die restriktivere Kreditpolitik der Federal Reserve-Banken sowie ihre bisherigen Diskonterhöhungen finden heute sehr viel mehr Zustimmung in der Öffentlichkeit als noch vor wenigen Wochen. Tatsächlich ist, das Wirtschaftsvolumen auch in diesem Jahre noch wesentlich weiter gewachsen, und das Bruttosozialprodukt der USA, das im zweiten Quartal 1956 einem Jahresgesamtbetrage von 408 Mrd. $ entsprach, liegt um 6 v. H. über der Vergleichszeit des Vorjahres. Davon kommen allerdings nur 4 v. H. auf eine echte Zunahme, während die weiteren 2 v. H. lediglich die inzwischen vorgenommenen Preiserhöhungen reflektieren. Die tatsächliche Kaufkraft der Konsumenten ist um 6 v. H. gestiegen, ihre Einkommen sind noch stärker gewachsen, aber gestiegen sind auch die Einzelhandelspreise und mithin die Lebenshaltungskosten, und man rechnet damit, daß diese Entwicklung noch keineswegs abgeschlossen ist.

Eine besondere Aufmerksamkeit hat in diesem Zusammenhang die neueste Diskonterhöhung der Bank of Canada vom 9. August gefunden, durch die der Satz von drei auf 3 1/4 v. H. heraufgesetzt worden ist, um inflatorischen Tendenzen zu begegnen. Sie waren u. a. in der Erhöhung des Geldumlaufes, in dem Anziehen der Preise und dem Emporschnellen der wirtschaftlichen Expansion zum Ausdruck gekommen. Daß aber das Federal Reserve Board durchaus bereit ist, ebenfalls in den USA die Kredite noch weiter zu verknappen, wenn die beteiligten Kreise sich in ihren Kreditansprüchen keine Beschränkung auferlegen, beweist die am 23. August den Banken von New York, Chikago, Philadelphia und Richmond erteilte Genehmigung zur Erhöhung ihres Diskontsatzes von 2 3/4 auf 3 v. H. Das ist die sechste Diskonterhöhung der Federal-Reserve-Banken innerhalb von 16 Monaten. Allerdings war dieser Entschluß angesichts des erheblichen Anstiegs der Zinssätze für kurzfristige Papiere durchaus nicht überraschend. Es bleibt abzuwarten, ob diese neuerliche Diskonterhöhung in der Lage ist, der übermäßigen Kreditexpansion in den Staaten einen spürbaren Dampfer zu geben. Andernfalls dürfte eine abermalige Erhöhung der Diskontsätze nicht ganz ausgeschlossen sein.