Die Zwangsversicherung für die Selbständigen und für die Angehörigen der freien Berufe, die (als Teil der "Sozialreform") geplant ist, scheint in ihren Grundzügen noch nicht hinreichend durchdacht zu sein. Es ist als "Ziel" verkündet worden, daß der Versicherte nach 30 Berufs- oder Beitragsjahren eine Rente von 80 v. H. seiner Einkünfte erhalten soll – wobei zu berücksichtigen ist, daß die Bemessungsgrenze für die Beträge (und also auch für die Renten) bei 750 DM Monatseinkommen liegt: wer ein höheres Einkommen hat, wird nur für 750 DM beitragspflichtig. Dabei soll die Altersrente in der Regel vom 68. Lebensjahr des Versicherten an gezahlt werden; die Witwenrente soll 60 v. H. der Versichertenrente (gleich 48 v. H. des unter der Bemessungsgrenze liegenden Einkommens) betragen.

Nun kommt freilich das große "Aber". Der Beitragssatz ist nämlich mit 10 v.H. der Einkünfte (im Rahmen der Bemessungsgrenze) vorgesehen; falls das nicht ausreicht, um die "gedachten" Leistungen zu erbringen, soll der Bund mit Zuschüssen aushelfen. Um zu der "Standardrente" zu kommen, die (nach 40 Berufsjahren, bei Erreichung der Altersgrenze von 68 Jahren) volle 800 DM im Monat für diejenigen Versicherten beträgt, deren Einkommen ständig an der Bemessungsgrenze gelegen hat, wäre ein Monatsbeitrag von 45 v. H. des Einkommens zu leisten – gleich 337,50 DM, wenn von 750 DM als Basis ausgegangen wird. Werden dem Versicherten nur 10 v. H. seines Einkommens, also 75 DM monatlich, "angelastet", so bleibt für den Bund ein Zuschuß von 262,50 DM monatlich zu zahlen. Mit anderen Worten: sieben Neuntel der "Pensionen", die für die Selbständigen und die freiberuflich Tätigen in Aussicht genommen sind, gleich fast 80 v. H. (genauer: 77,8 v. H.) der Gesamtsumme, müßten aus allgemeinen Steuermitteln aufgebracht werden.

Das aber scheint uns nicht realistisch gedacht zu sein. Also bitte: erst rechnen – und dann Vorschläge machen! E. T.