Beschlagnahmt wurde vom Frankfurter Amtsgericht im vergangenen Herbst die gesamte schon an die Händler ausgelieferte Auflage des in einem Schweizer Verlag erschienenen Romans "In Sachen Mensch" von Ursula Rütt auf Antrag des Homburger Ex-Bürgermeisters Gottfried Bastian. Er sah sich in der Romanfigur Dr. Sebastian Schnapp karikiert, bezeichnete das Buch als Schlüsselroman mit durchsichtiger Tendenz und berief sich wegen übler Nachrede auf den Paragraphen 186 des Strafgesetzbuches.

Jetzt, neun Monate nach der Einziehung, hat das Frankfurter Landgericht die Beschwerde des Verlags und der Autorin geprüft und die Beschlagnahme Verfügung aufgehoben mit der Urteilsbegründung, die Identität zwischen Herrn Bastian und Dr. Schnapp sei nicht klar erkenntlich.

Wir wollen nicht zum Buch Ursula Rütts Stellung nehmen. Es bleibt jedoch zu bemerken, daß der Roman jetzt mehr denn je in den Buchhandlungen gefragt und gekauft ist. Inzwischen hatte der Mitteldeutsche Verlag" in Halle das Buch ebenfalls für die Sowjetzone herausgegeben, mit einem roten Aufkleber: "In Westdeutschland verboten." Diese de SED willkommene Propaganda sollte zu bedenken geben, wie vorsichtig man mit derartig unüberlegten undvorschnellen Verbotsanträgen sein muß. Oder glaubt vielleicht jemand, daß der "Mitteldeutsche Verlag" nunmehr die sowjetzonale Auflage ohne den so zugkräftiger Aufkleber erscheinen lassen wird? o. f.