Roman der Weltallforschung – III. Sterndeutung blüht

bei sinkender Kultur – Die heilige Zahl Sieben

Von Rudolf Thiel

Die Geschichte der Astronomie, soweit sie in alten Zeiten zur Astrologie entartete, füllt die ersten Kapitel des Buches „Und es ward Licht“ von Rudolf Thiel, das demnächst bei Rowohlt erscheint. Es ist nichts mit den Horoskopen, nichts mit der Sterndeuterei, deren Überhandnehmen stets auf kulturellen Niedergang schließen läßt. Thiels Buch trägt im übrigen seinem Titel Rechnung: Es erzählt den ganzen „Roman der Weltallforschung“ – vom Altertum bis zu unserer modernen Zeit.

Im dritten Jahrtausend v. Chr. saßen die Hofastronomen Hi und Ho beim Wein, als eine Sonnenfinsternis begann. Es wurde ihnen der Pro-Das Urteil lautete: „Die Gebetstromhaben geschlagen, die Mandarine sind zu Pferd gestiegen, das Volk ist zusammengelaufen. Währenddessen haben Hi und Ho wie Holzfiguren nichts gesehen und gehört. Ihre Nachlässigkeit im Berechnen und Beobachten der Gestirne wird mit dem Tod bestraft.“

Es war nicht so, daß man von ihnen erwartete, das furchtbare Ereignis frühzeitig vorauszusagen. Was man ihnen vorwarf, war Mangel an Pflichterfüllung. Für eine Finsternis war nicht die Sternwarte verantwortlich, sondern der Himmel. Kam eine Finsternis, die vorher nicht berechnet war, so tat der König Buße – man konnte ja nicht wissen, was der Himmel meinte. Im schlimmsten Fall erhielt der Astronom ein Täfelchen mit folgendem Erlaß: „Der König ist ungehalten wegen des langen Fastens und fragt an, ob der Neumond immer noch nicht erschienen ist.“

Einzigartiges Verhältnis: weil die Wissenschaft versagt, muß der König fasten. Ich glaube nicht, daß auf der Sternwarte gefastet wurde.