Mit Hans Carossa, der am 12. September 1956 in Rittsteig bei Passau im Alter von 77 Jahren gestorben ist, verliert die deutsche Literatur nach Bert Brecht und Gottfried Benn den dritten großen Autor in diesem Jahr. Schon an diesen drei Namen zeigt sich, wie reich unsere Dichtung war, wie groß das Feld, das von deutschen Poeten bestellt wurde. – Hans Carossa, ein Autor, der von seinem ersten Buch-an eine geradlinige und stetige Entwicklung nahm, wäre es undenkbar gewesen, seinen einmal gewählten Verleger zu wechseln (was für viele Autoren heute nur noch eine Frage des Profits ist). Er blieb der „Insel“ treu, jenem großen deutschen Verlag, der aus der Literaturgeschichte der letzten 50 Jahre nicht fortzudenken ist. Der Insel-Verlag hat uns denn auch einen Abschnitt aus Carossas letzter großer, noch unveröffentlichter Versdichtung „Der alte Taschenspieler“ zur Verfügung gestellt. Der Verleger schreibt dazu: „In den letzten Jahren kehrte Carossa immer wieder zu jener Versdichtung zurück, die ihn durch sein halbes Leben begleitete und von der bisher nur ein Bruchstück in seinen Gedichten stand. Im Frühling dieses Jahres. schloß er sie ab, und nun wurde sie zu einem Vermächtnis des Dichters.“ Aus diesem Vermächtnis legen wir der Öffentlichkeit zum erstenmal die folgenden Verse vor:

Bin ich allein? Das feine scharfe Sausen

Im Silberfahnengras erinnert mich,

Wie sich schon still zum Ende neigt das alte Jahr.

Ein Zauberer,

Der älter ist als ich und sehr viel mächtiger,

Hat mir das Gras aus China mitgebracht,