Zwei Sendungen Stadien, wie wir meinen, in dieser Woche besonders hervor – zwei Sendungen, die sich mit Jugendproblemen befaßten: in dem Hörbild „Die Partei hat immer recht“, das die Kölner Mittelwelle ausstrahlte, analysierte Hendrik van Bergh an Hand der parteiamtlichen „Lieder der Zeit“ die ideologische Erziehung der sowjetzonalen Jugend. Der gleiche Autor unternahm im zweiten Programm des Westdeutschen Rundfunks den „Versuch einer Soziologie der Jugendkriminalität“.

Gefährdete Jugend im Osten und im Westen also – drüben durch die totale Erziehung des Menschen zum Kommunismus; im Westen dagegen eine bedrohliche Entwicklung zum primitiven Besitzenwollen, ohne daß diesem Trieb steuernde Einflüsse entscheidender Art entgegengesetzt werden. Im Osten ein Übermaß an politisch-sozialer Schulung („Die Partei ist die einzige Gewähr der Vollendung!“); diesseits der Zonengrenze Gefährdung des Gefühls für eine staatlich-moralische Gemeinschaft. Unter sowjetischer Einwirkung übt beispielsweise das Kampflied – eine Mischung aus Überredung und Zwang – Einfluß auf die Jugendlichen aus. Es wird zum Erziehungsmittel für den totalen Sowjetstaat; und sogar bei jenen, die das Regime nicht anerkennen, bleibt ein Minimum des Propagandagiftes haften. Nichts dergleichen in der westlichen Demokratie.

Im großen und ganzen gesehen ist bei uns auch nicht die Gesamtheit der Jugend in Gefahr, sondern nur ein besonders anfälliger, geringfügiger Prozentsatz. Die Mehrzahl lebt in einer intakten Welt, die jedoch durch die Sucht nach Abenteuer; dem Übermut, der Neugier, dem Genießen- und Besitzenwollen gestört werden kann.

Wir werden sehen:

Dienstag, 25. September, 20.15 Uhr: Ein Stück Papier bringt das brave Leben einer ganzen Familie durcheinander, weil es sich um den unauffindbaren Loszettel handelt, der als Millionen-Haupttreffer herauskam. Aus diesem Stoff, der in unseren vom Lotto-Rummel erfaßten Tagen wieder aktuell ist, machte der Italiener Alberto Colantuoni vor Jahren eine Komödie „Geld ohne Arbeit“, die Peter Bauvais und Manfred von Conta jetzt für das Fernsehen bearbeiteten.

Donnerstag, 20. September, 21. 10 Uhr: über die abenteuerliche Reise von vier jungen Schweizern vom Bodensee nach der Karibischen See berichtet die Sendung des NWRV „Vier Männer im Boot“. 21. 35 Uhr: Gastspiel von Milorad Miskovitsch und Claire Sombert von der Pariser Oper – Tschakowskys Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“.

Samstag, 22. September, 21. 10 Uhr: „festlicher Sommer“ – ein Filmbericht des Bayerischen Rundfunks mit Ausschnitten von den Mozartfestspielen, den Wagner-Festspielen, den Münchner Opernfestspielen und den Nymphenburger Sommerfestspielen.