Rlt., Düsseldorf

Glänzende Rechtfertigung" lautete eine Überschrift im Boulevard-Fettdruck am Sonnabend, dem 6. Oktober, in dem bevorzugten Veröffentlichungsorgan der Rheinischen Bahngesellschaft AG. Der erstaunte, vor den Kommunalwahlen stehende Leser durfte daraus entnehmen, daß der ehemalige AR-Vorsitzer der Rheinbahn, Ratsherr und Wahlkandidat am 28. Oktober, Dr. Kaufhold, nach drei Monate langer. Privatuntersuchung "völlig entlastet" sei, daß die "ehrenrührigen Vorwürfe nach gründlicher Nachprüfung von berufener Seite zusammengebrochen" seien und daß ein 190 Seiten umfassendes Gutachten nur "eine völlig unbegründete, überaus leichtfertige und durch falsche Behauptungen die Öffentlichkeit gröblich irreführende, die Ehre leitender Männer in gewissenloser Weise verletzende" Berichterstattung hätte feststellen können.

Lustig flattert das Rheinbahnfähnchen im Wahlwind. Just gerade recht – o welch ein Zufall – kommt das private Gutachten im Auftrag der Rheinbahn noch mitten im Wahlkampf heraus, wo die Rheinbahnskandale die Gemüter erhitzen und die Betroffenen immer wieder vor peinliche Fragen stellen. Es ist nicht unsere Schuld, daß eine rein wirtschaftsjournalistische Untersuchung über die verkehrswirtschaftliche Situation und die Ertrags- und Kostenentwicklung bei der Rheinbahn auf das Niveau kommunaler Wahlkämpfe heruntergezogen worden ist. Die Betroffenen pflegten bisher unsere Berichterstattung darüber als üblen Journalismus zu bezeichnen, der sich zum Ziele setze, die Säulen des Staates zu zermürben. Wem gruselte es da nicht?

Wir wollen bei der Sache bleiben, Keine der Düsseldorfer Zeitungen hat das Gutachten im Wortlaut erhalten. Auch uns wurde es nicht zur Verfügung gestellt. Es hat bisher auch nicht der Ratsversammlung, nicht dem Hauptausschuß und – soweit uns bekannt ist – auch noch nicht einer Aufsichtratssitzung vorgelegen. Man veröffentlichte einen summarischen Schlußabsatz, der von keiner Seite als genügende Antwort akzeptiert werden kann – weder auf unsere Darstellung noch auf die genau präzisierten fünfmal wiederholten fünf Fragen, wie sie in gleicher Angelegenheit die Zeitung "Der Mittag" an die Rheinbahnverwaltung gestellt hatte. Es sieht doch sehr danach, aus, als ob man gute Gründe hätte, dieses Gutachten nicht zu veröffentlichen, als ob es nur darauf ankäme, sich für den Kommunalwahlkampf in Düsseldorf eine schillernde Gloriole zuzulegen.

Mit dem Sachverständigengutachten sollt; der Eindruck erweckt werden, es sei eine richterliche und autoritative Entscheidung gefällt worden Das ist es nicht. Es ist nur das Gutachten einer interessierten Seite. Die Gutachter haben bei der Nachprüfung keinen Kontakt mit uns aufgenommen, um die Quellen und die Unterlagen unserer Veröffentlichungen feststellen und werten zu können.

Die summarische Schlußgloriole aber steht in unvereinbarem Widerspruch zu einer Reihe nicht nur uns bekannter Tatsachen. Sie steht weiterhin in Widerspruch zu Erklärungen der Verwaltung in den Aufsichtsratssitzungen und bei anderer Gelegenheit. Unsere Veröffentlichungen – waren nichts anderes als Auszüge aus dem Handelsregister oder aus der Patentrolle, aus denen die Widerlegung anderweitiger Behauptungen hervorging.

Daß allerdings niemand mündliche Aussagen des Rheinbahn-AR-Mitgliedes Dr. Kaufhold auf die Goldwaage legen darf, pflegt er bereits auf senem Anwaltsbriefkopf mit einer Zeile, schön säuberlich gedruckt, zum Ausdruck zu bringen: Telefongespräche sind unverbindlich. Etwas so Witziges haben wir noch auf keinem Briefkopf gefunden. Der Eigentümer wird seine Gründe haben.