Den Regierungsentwurf zur Rentenreform bezeichnete Dr. Plath auf der Kölner Jahresversammlung des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft als „schlimmste Mißgeburt, die je ein Storch einer Mutter in die Wiege gelegt hat“. Bundeswirtschaftsminister Erhard, zum erstenmal Gast bei der Versicherungswirtschaft, äußerte sich im Konkreten recht vorsichtig zu den Einwänden der Versicherungswirtschaft gegenüber der Rentenpolitik des Bundeskabinetts. Man hatte den Eindruck, Professor Erhard praktiziere zur Zeit eine – in diesem Falle besonders ausgeprägte – Kabinetts treue.

Dieser Eindruck wird wohl auch der Anlaß dafür gewesen sein, daß sich der ebenso mutige wie sachkundige Generaldirektor Alex Möller (Karlsruhe) vor der Presse sehr skeptisch zu der von Erhard mit Stolz vorgebrachten (freilich nicht mehr ganz taufrischen) These äußerte: es sei, nach dem derzeitigen Stand der Beratungen, so gut wie sicher, daß „die Rentenhöhe nicht automatisch an die Lohnhöhe gebunden“ werde. Professor Erhard hatte sich gerühmt, es sei seinem „persönlichen Eingreifen“ zuzuschreiben, daß nach der „endgültigen Fassung“ des Regierungsentwurfes die Renten dem „echten Produktivitätszuwachs“ (also dem preisbereinigten Nettosozialprodukt) angepaßt werden sollen. „Das größte Gift ist also aus dem Regierungsentwurf raus“, sagte Professor Erhard hierzu.

Die Männer der Versicherungswirtschaft blieben skeptisch. Sie meinten, man müsse abwarten, ob Erhards Mitteilung „dementifrei“ die nächsten acht Tage überstehen werde: „schön wär’s ja“, so meinten sie... Übrigens hat Professor Erhard der Versicherungswirtschaft ausdrücklich attestiert, daß ihre Kritik in Sachen Rentenreform nicht durch eigensüchtige Interessen motiviert sei. Das war das rechte Wort zur rechten Zeit! Die törichte Unterstellung des DGB-Bundesvorstands, wonach „politisch einflußreiche Arbeitgeber- und Wirtschaftsgruppen die Rentenreform verzögern oder zu Fall bringen“ möchten, verdient wahrhaftig eine entsprechend scharfe Zurückweisung, auch und vor allem im Interesse der Notenbank, der man ja nun wahrhaftig nicht nachsagen kann, wie es die Gewerkschaftsleitung tut, daß sie „die Not der Rentner als ein Mittel der Währungssicherung oder der Konjunkturpolitik mißbrauchen“ wolle... Leider ist die Stellungnahme der SPD zur Notenbankpolitik nicht minder demagogisch wie diejenige der Gewerkschaftsführung. Im SPD-Pressedienst „Volks-Wirtschaft“ heißt es nämlich, daß die Warnungen der Bank deutscher Länder – vor einer erneuten Übernachfrage-Expansion, die eventuell eine Wiederverschärfung des restriktiven Kurses notwendig machen könnte – die Frage aufwerfen ließen, ob die BdL noch „ein neutraler Hüter der Währung“ sei, oder ob sie sich die Rolle eines „obersten Lenkungsorgans der Wirtschafts- und Sozialpolitik“ anmaße. In diesem Zusammenhang wird der BdL vorgeworfen, daß sie den „sozialen Wohnungsbau“ mit dem „Diskontknüppel“ einen schweren Schlag versetzt habe. Offenbar meint man bei der SPD, daß die BdL für die Beschaffung von Kapitalkredit (über die Notenpresse!) zuständig sei, und daß der Kapitalkredit billig bleiben könne, auch wenn das Kapital – infolge einer auf Kosten der Kapitalbildung gehenden schnellen Verbrauchsausweitung – knapp geworden ist.... Prof. Baade hat seine Parteifreunde erst kürzlich mit eindringlichen Worten darauf hingewiesen, daß das Einmaleins in der Wirtschaft immer noch gilt. Aber diese sind, wie es scheint, wieder einmal unbelehrbar. Das Gift der Demagogie ist da leider „immer noch drin“. Dü./T.