er., Bremen

Der Senat der Freien Hansestadt Bremen ist auf Reisen gegangen. Er unternimmt Expeditionen in die eigene Stadt. In mehreren Einzelrundfahrten lernen die Senatoren und ihre Oberbeamten nun die einzelnen Stadtteile „kennen“.

Wie wichtig das ist, erwies sich am Beispiel des Senators für Hafen, Schiffahrt und Verkehr, Dr. Jules Eberhard Noltenius, zugleich Bürgermeister und Stellvertreter Kaisens. Als er mit seinen Amtskollegen zur Besichtigung der Hafenanlagen schritt, fragte er immer wieder nach Sinn und Zweck so mancher Bauten, die doch seit Anfang des Jahres zu seinem eigenen Dienstbereich gehören. Und als der Bürgermeister auf dem Dach des großen Speichers stand, auf den gewöhnlich jeder auch nur einigermaßen bemerkenswerte Besucher der Stadt geführt wird, um ihm einen guten Überblick über die Entwicklung des Hafens zu geben, bekannte Dr. Noltenius erstaunten Zuhörern, daß er das erstemal dort oben weile... Viele Unterlassungssünden wären hier zu beklagen, wenn nicht die Aufrichtigkeit des Senators so entwaffnend wäre.

Beklagenswerter ist, was man vom Ortsamtsvorsteher Steil aus Bremen-Burglesum, der in diesem Stadtteil eine Art Bezirksbürgermeister ist, erfahren hat. Er stellte entrüstet fest, dem Senat sei bei seiner Fahrt durch Nordbremen nur Erfreuliches gezeigt worden. Nur mit Mühe habe er selber den Besuch eines Elendquartiers durchsetzen können. Verantwortlich für die Reiseroute war ein Oberbeamter der Bauverwaltung. Ob die Senatoren nun nachsitzen und die Expedition wiederholen müssen?