avi., Saarbrücken

Der ehemalige Ministerpräsident des Saarlandes, Johannes Hoffmann, hat jetzt eine einstweilige Verfügung gegen den Brockhaus-Verlag in Wiesbaden beantragen lassen. Durch diese einstweilige Verfügung soll es dem Verlag verboten werden, die Behauptung zu verbreiten, daß Johannes Hoffmann der von Frankreich unterstützten Separatistenorganisation „MRS“ angehört habe. Die Auslieferung des kürzlich erschienenen Bandes RIN-SOK des Brockhaus-Lexikons soll eingestellt werden.

Dieser Band enthält unter dem Stichwort „Saargebiet“ einen Artikel, in dem es heißt: „Die führenden Abgeordneten der beiden großen Parteien“ (im Saargebiet – CVP und SPS) „gehörten dem Mouvement pour le rattachement de la Sarre à la France (Bewegung für den Anschluß der Saar an Frankreich) an; auch Ministerpräsident Johannes Hoffmann, der die Verfassung vom 15. 12. 1947 durchsetzte.“

Tatsächlich konnte dem Johannes Hoffmann niemals nachgewiesen werden, daß er Mitglied des MRS war. Der später unter Johannes Hoffmann ausgewiesene, der deutschen Opposition nahestehende katholische Pfarrer Bungarten berichtete allerdings bereits 1951 in seiner Broschüre „Ich darf nicht schweigen“, daß Hoffmann die Ziele seiner Politik „bei einem katholischen Pfarrer in den Satz zusammenfaßte, er wolle dasselbe wie das MRS, nur mit anderen Methoden.“

Noch im Januar 1953 erklärte Hoffmann in einem Interview mit der „Paris Presse“: „Es ist der tiefste Wunsch aller verantwortlichen Politiker an der Saar, die Politik ihres Landes auf die des französischen Außenministeriums auszurichten ...“

Die in Saarbrücken erscheinende Zeitung „Deutsche Saar“ schlägt dem Brockhaus-Verlag für eine Überklebseite folgenden Text vor: „Eine große Anzahl der Abgeordneten des Landtages nach 1947 gehörten dem Mouvement pour le rattachement de la Sarre à la France (Bewegung für den Anschluß der Saar an Frankreich) an. Ministerpräsident Johannes Hoffmann, der die Verfassung vom 15. 12. 1947 durchsetzte, war zwar nicht Mitglied dieser Bewegung, aber er verfolgte im Grunde dasselbe Ziel: die Lostrennung (Separation) der Saar von Deutschland.“