Deutsche Erstaufführung in Stuttgart

Wenn die Geigerzähler ticken ... mit atemloser „Spannung verfolgen die Zuschauer den Vorgang auf der Bühne (etliche böse Zyniker lachen heimlich – früher spielte ein Magnet die gleiche Rolle!): Die liebenswürdigen Herren von der Marine, der Freund der Sekretärin des Professors Emanuel, der anscheinend etwas beschränkte Leutnant Henderson und sein Chef, Captain Gallagher, haben sich plötzlich in Offiziere der Abwehr verwandelt, Professor Emanuel sinkt in sich zusammen. Nun, man kann sich denken ..., aber Professor Emanuel ist es nicht, sondern Dr. Allan Carr, den er wie seinen Sohn hält und der seine hochgeschätzte Sekretärin heiraten will. Leutnant Henderson hat sich als früherer Freund der Professors-Sekretärin ins Haus eingeschlichen. Schnell hat er den Film gefunden, auf dem er radioaktive Spuren vermutet. Der Geigerzähler tickt. Der Verräter ist überführt, der das Geheimnis den Russen übergeben wird – Plutonium 253.

Die andere Motivkette des tüchtigen Reißers, mit dem Hermann Wouk von der meuternden Caine hier seine Absicht bekundet, sich als Publikumsautor zu befestigen, kommt von einem Fragebogen her, den Professor Emanuel beispielgebend unterschreiben soll: Sollen kommunistische Dozenten von der Universität entfernt werden oder nicht? Unter Dr. Carrs Einfluß will er nicht unterschreiben, selbst der Besuch eines großmächtigen Fabrikanten fruchtet nichts. Doch wenn der Geigerzähler getickt hat, ändert sich die Sache. Emanuel findet sich sogar pro patria bereit, den Dr. Carr der Abwehr ans Messer zu liefern. Ein Abhörapparat wird sein Gespräch mit dem bisher Ahnungslosen aufnehmen, der sich natürlich verrät. Große Szene. In wenigen Minuten hat der Captain den Dr. Carr dazu gebracht, seinerseits pro patria die russische Spionagezentrale zu verraten. Carr ist ja gar kein Kommunist, er nimmt nicht einmal Geld für seine Betätigung. Er wollte nur den Frieden, und der bleibt nach seiner Ansicht am längsten erhalten, wenn die Amerikaner und die Russen in der Atomforschung und in der Herstellung von Atomwaffen auf gleicher Höhe bleiben. So lockt er denn, im Nu bekehrt, den russischen Agenten, der kein Friedensfreund, sondern ein rabiater Geldverdiener ist, in die Falle, wird aber selber, der Edle, erschossen.

Denkbar, daß man dieses vielleicht bei der ersten Konzeption noch einst gemeinte Schauspiel am Broadway schmissiger gespielt hat als in Stuttgart. Es wirkte dennoch auch hier in der etwas gedehnten Inszenierung Paul Hoffmanns, die leere Stellen nicht immer mit Spannung erfüllte, aber dafür die Effekte um so knalliger herausspringen ließ. Frauenrollen sind absolut belanglos. Die große Rolle des Dr. Carr könnte man sich leichter gespielt denken als von Hans-Helmut Dickow, der einen so stark nicht in die Figur gelegten Gewissenskonflikt mimte, während es dem Autor doch nur darauf ankam, ihn um das Gelingen seines paradoxen Weltfriedensplans bangen zu lassen. Sein die Abwehr natürlich in amerikanischer Art höchst sympathisch vertretender Gegenspieler, Captain Gallagher, war Benno Sterzenbach der die Szene wirklich lebendig erhielt und dafür sorgte, daß man das Schauspiel nicht als Problemstück mißverstand. Hans Mahnke als russischer Agent in der Schlußszene war unter den paar Chargen weitaus eindrucksvoller als der von Ludwig Anschütz dargestellte stets unschlüssige Professor, Emanuel oder der in hergebrachter Weise von Helmut Schmid gespielte Leutnant Henderson. Das Publikum bewies mit seinem lang anhaltenden Beifall, daß es für den neuen Reißer empfänglich war. o. j.