Marienburg verfällt. „Zwölf Jahre nach Kriegsende fallen in Danzig immer mehr wertvolle Kunstdenkmäler der Unwissenheit zum Opfer“, klagt die in Danzig erscheinende polnische Zeitung „Dziennik Baltycki“. Das Blatt berichtet, romanische und Barockkirchen seien zu Baumaterial zerschlagen worden. Alte Fachwerkhäuser in Werder sowie Kirchen wären durch Trecker „umgelegt“ worden. Der Verfall der Marienburg sei wegen mangelnder Pflege kaum noch aufzuhalten. Die Zeitung feiert mit diesem Bericht die Eröffnung einer „Woche des Denkmalschutzes“.

Neues Fachstudium in Deutschland. Die Universität Köln wird, mit Beginn des Wintersemesters als erste deutsche Hochschule das Fachstudium „Finanzen und Steuern“ einführen. Es umfaßt die Gebiete Wirtschaftsprüfung, Steuerrecht und Steuerlehre sowie Finanzwissenschaft und soll künftigen Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und staatlichen wie auch privaten Finanzfachleuten die Möglichkeit einer Hochschulausbildung geben.

Kein Geld für Kinsey-Forschung. Das amerikanische Kinsey-Institut zur Erforschung des sexuellen Verhaltens des Menschen, dessen Leitung nach dem Tode seines Schöpfers Alfred Kinsey zu Beginn des Jahres ein Kuratorium übernahm, erwägt die Einstellung seiner Arbeit, weil die finanziellen Mittel erschöpft sind. 1953, als die Einkünfte aus dem ersten Kinsey-Report den Fortgang der Forschungsen sicherte, hatte die Rockefeller Foundation ihre Zuschüsse eingestellt. Der Umsatz des Buches ging nun jedoch soweit zurück, daß er das Unternehmen nicht mehr trägt.

Anouilh schwächt ab. Unmittelbar nach der Uraufführung in Paris hat der französische Dichter Jean Anouilh sein neuestes Bühnenwerk „Armer Bitos oder das Diner der Köpfe“ in aller Eile gründlich überarbeitet. Viele Passagen hatten in ihrem brutalen Zynismus nicht nur das Publikum schockiert, sondern auch die Kritik brüskiert. Um einem sicheren Mißerfolg zu entgehen, hat Anouilh die provozierendsten Stellen gestrichen oder gemildert. „DIE ZEIT“ wird über dieses Stück noch eingehend berichten.

God save the Queen. Durch ein Konzert des Jazzmusikers Lionel Hampton in der Londoner Empress Hall geriet das Publikum derart in Ekstase, daß es zum Herausreißen der Sesselreihen überging. Weder Polizeieinsatz noch Appelle durch den Lautsprecher halfen – als die bedrängte Kapelle jedoch die Nationalhymne spielte, verharrte alles in ehrfürchtigem Schweigen und verließ danach gesittet den Raum.

Chorleiter staatlich anerkannt? Als erstes Bundesland wird Rheinland-Pfalz in Zukunft die Leiter privater Chöre staatlich anerkennen. Am Staatlichen Institut für Musik in Mainz sind laufende Lehrgänge geplant, nach denen die Chorleiter die A-, B- oder C-Prüfung ablegen und so die staatliche Anerkennung erlangen können. Auch in Trier und Koblenz werden Lehrgänge dieser Art geplant.

Strawinskij nicht „dekadent“. Während des Gastspiels des sowjetischen Bolschoi-Balletts in London sprach Primaballerina Ulanowa auf einer Pressekonferenz bemerkenswert viel über die Seele in der Kunst. Ferner antwortete sie auf die Frage, was sie von Strawinskijs fröhlich-frivolem Ballett „Petruschka“ halte, das in der Sowjetunion wegen seiner „Dekadenz“ seit langem nicht mehr aufgeführt werden darf, sie liebe dieses Ballett, und das Bolschoi-Theater werde es demnächst in sein Repertoire aufnehmen.