Das runde Dutzend produzierender Filmfirmen in Westberlin ist kürzlich durch die „Neue Mars-Film GmbH“ und die „Neue Mars-Film GmbH & Co. KG“ komplettiert worden. Wer die Bedeutung eines solchen Unternehmens an der fünf- oder sechsstelligen Ziffer mißt, mit der ihr Stammkapital ausgewiesen ist, wird an diesen beiden Firmen nichts Besonderes finden. Während die erste sich im wesentlichen mit der Verwertung des Geländes der früheren „Mars-Film GmbH“ und der darauf befindlichen Anlagen befaßt, ist die zweite als Komplementär der ersten einige Beachtung wert. Sie besitzt nämlich eine der drei in Europa aufgestellten Prägetitelmaschinen – die beiden anderen stehen in Paris und Zürich –, die es gestatten, innerhalb kürzester Frist einen fremdsprachigen, nichtsynchronisierten Film mit Titeln fast jeder beliebigen Sprache zu unterlegen. Bei den in den letzten Jahren ins Kraut geschossenen mehr oder minder internationalen Film-Festivals, wo häufig Filme vorgeführt werden, bei denen sich gerade erst herausstellen soll, ob sich die Kosten einer Synchronisation lohnen würden, sind derartige Maschinen von – auch wirtschaftlich – unschätzbarem Wert, Tatsächlich erfreut sich das junge Westberliner Unternehmen eines Zuspruchs und eines Ertrages, wie sie in der Filmbranche durchaus nicht in der Regel sind. Da sich überdies ein reger internationaler ost-westlicher Filmaustausch anzubahnen scheint, sind die Aussichten der neuen Gesellschaft ausgesprochen günstig, so daß man sich dort schon mit dem Gedanken trägt, eine weitere dieser kostspieligen Maschinen anzuschaffen.

Aber ein Haken ist doch an der Sache, wenn er auch in die Vergangenheit zurückreicht. Die neue Firma ist nämlich aus dem ehemals reichseigenen (Ufi-)Filmbesitz hervorgegangen, und gerade ihr „As“, eben jene Prägetitelmaschine, die erst nach dem zweiten Weltkrieg von dem damaligen Ufa-Vorstand angeschafft worden ist, war öfter als einmal Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen mit den Liquidatoren und etlichen Mitgliedern des Aufsichtsrates, die in dieser Investitioneine Verschwendung erblickten. Daß sich daraus-etwas machen läßt, zeigt jetzt die neue Firma und bestätigt damit nachträglich den richtigen Instinkt der einst für den Kauf Verantwortlichen. Eine andere Frage aber ist die: dem Vernehmen nach haben die jetzigen Gesellschaften ihr Objekt zu einem wirklich „annehmbaren“ Preis erworben. Läßt diese Tatsache darauf schließen, daß die Liquidatoren sich des wahren Wertes dieser umstrittenen Anlage überhaupt nicht bewußt gewesen sind? Oder welche Gesichtspunkte waren entscheidend dafür, daß ein solches Objekt unterbewertet und nicht der Masse der neuen Ufa zugeschlagen wurde, die damit wenigstens auf einem Teilgebiet schon jetzt offenbar nicht ganz unbeträchtliche Einnahmen hätte erzielen können, während sie gegenwärtig noch mit Investitionen und Anlaufkosten mehr als belastet ist. Diese privatwirtschaftliche Seite geht. nur die neuen Aktionäre etwas an. Aber das Tun und Lassen der Düsseldorfer Liquidatoren sollte die Öffentlichkeit noch immer interessieren. G. G.