Der britische Schatzkanzler Macmillan sagte in diesen Tagen in einer Rede zur englischen Zahlungsbilanzsituation folgendes: „Die jüngsten Abzüge spielen nicht die Besorgnis über die innerwirtschaftliche Lage Großbritanniens, sondern über die außenpolitische Gesamtlage wider. Dies gehört zum Risiko des Bankgeschäfts. Wir sollten aber nicht vergessen, daß diese Abzüge auch unsere Verpflichtungen verringern. Jedes internationale Finanzzentrum muß so mit Ebbe und Flut in seinen Geldmitteln rechnen.“

Diese Ausführungen treffen haargenau, nur mit umgekehrten Vorzeichen, auch für die westdeutsche Zahlungsbilanzsituation zu. Unsere stolzen Währungsreserven von fast 17 Mrd. DM sind nicht nur wohlverdientes Geld der Wirtschaft, sondern sie stellen zu einem guten Teil auch geliehene Mittel dar. Die internationale Spekulation rechnet nun einmal mit einer Änderung der Währungsrelationen und ist der Auffassung, daß es sich lohnt, im rechten Augenblick Geld auf der deutschen Seite zu haben. Heiße Gelder fließen deshalb in den DM-Bereich. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, von der Unterhaltung zinsloser DM-Guthaben angefangen, bis zur Vorauszahlung von Rechnungen. Das Zins-, gefalle gegenüber dem Auslande verstärkt diese Tendenzen. Viele deutsche Kaufleute bemühen sich um Auslandskredite; vor allem beanspruchen sie die billigen Rembourskredite großer ausländischer Finanzplätze.

Bei einer Änderung der außenpolitischen Gesamtlage kann sich dies, ohne daß wir heran viel zu verändern vermögen, völlig umkehren. Es werden dann nicht nur die heißen Gelder wieder abfließen, sondern die deutsche Wirtschaft wird auch ihre Auslandsverpflichtungen abbauen – genau so, wie dies nach den Ausführungen Macmillans jetzt in England geschieht. Das braucht uns keine Sorgen zu bereiten, solange wir ausreichende Währungsreserven im Rückhalt wissen. Sie allein schirmen die deutsche Wirtschaft gegen eine Ebbe und Flut in den Geldmitteln ab und sichern damit unsere Handlungsfreiheit in weltwirtschaftlich schwierigen Situationen; sie entbinden uns vor allem von der Notwendigkeit, in einem solchen Augenblick zur Devisenrestriktion zurückzukehren. W. R.