Als vor Jahresfrist Jean Anouilhs Drama „Monsieur Ornifle“ in Paris uraufgeführt wurde, begegnete es der einhelligen Ablehnung durch die französische Presse. Trotzdem wurde das Stück ein großer Erfolg. Jetzt nahm sich der Funk (WDR, 25. 10. 56, 20.15 Uhr) dieses Don-Juan-Stoff an und gab damit wiederum ein überzeugendes Beispiel dafür, daß bei der Übertragung auf die funkische Ebene die Substanz eines Bühnenwerkes Unverletzt erhalten bleiben kann.

Raoul Wolf gang Schnell gelang eine transparente Umsetzung des Anouilhschen Dramas ins Hörspiel. Er machte die literarische Kostbarkeit damit einem weiten Hörerkreis zugänglich. Anouilhs Verzweiflung über die verlorengegangene Unschuld des Menschen und über seine Unfähigkeit zum Glücklichsein ist auch hier – wie bei fast allen seinen Fabeln – in Sarkasmen gekleidet, ins Satirische abgewandelt. Aber versöhnlich endet diese Lebens- und Liebesgeschichte des berühmten Schriftstellers, der oberflächlich von Abenteuer zu Abenteuer eilt, sein Talent nicht nutzt, bis ihm eines Tages sein unehelicher Sohn gegenübertritt und ihn zwingt, sich selber Rechenschaft abzulegen. Auch Ornifle kann seine Seele nicht verleugnen. Auch über ihm ruht Gottes schützende Hand.

Für den auf der Glückssuche sich verzehrenden Liebhaber konnte man sich keinen brillanteren Darsteller denken als Axel von Ambesser. Ebenbürtige Partner fand Ambesser in Gerti Soltau, Irmgard Forst, Dinah Hinz und Hermann Schömberg.

Wir werden sehen:

Sonntag, 4. November, 20.50 Uhr: Von Todessehnsucht und Lebenshunger italienischer Einwanderer in Amerika erzählt William Sarroyan in seinem Fernsehspiel „Das Geheimnis der Makkaroni“.

Montag, 5. November, 21.45 Uhr: Der Berliner Kritiker Friedrich Luft unterhält sich vor der Fernsehkamera mit Hans Scholz, dem Autor des Romans „Am grünen Strand der Spree“.

Wir werden hören: