Für die Aktionäre der Zellstofffabrik Waz ldhof, Mannheim, war es in den vergangenen. Jahren nicht ganz einfach, den manchmal reichlich verschlungenen Wegen ihrer Verwaltung zu folgen. Die Schwierigkeiten lagen nicht nur im Wirtschaftsablauf der Gesellschaft selbst, sondern erstreckten sich besonders in den letzten Monaten auf gewisse Auseinandersetzungen im Vorstand. Nach dem Ausscheiden des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Max H. Schmid (im August 1955) kam es bei Zellstoff Waldhof zu einer echten Führungskrise. Dieser Zustand hat natürlich nicht dazu beigetragen, die Marktstellung der Gesellschaft zu bessern und das Vertrauen, das eine Aktiengesellschaft nun einmal braucht, zu stärken. Der Aktienkurs des Unternehmens fiel infolgedessen ständig zurück. Während er am 2. Januar 1956 mit 158 1/2 v. H. seinen diesjährigen Höchstkurs erreichte, kam er Im Oktober zeitweise nur mit 109 v. H. zur Notiz. Erst nachdem angekündigt wurde, daß am 1. Januar 1957 Dr. Friedrich Dorn (bislang im Vorstand der Kalle & Co. AG) den Vorstandsvorsitz der Zellstoffabrik Waldhof übernehmen wird, kam es zu einer Kurserholung bis 116 v. H. (Der bisherige Vorsitzende des Vorstandes, Dr. phil. Franz Kiel, tritt aus Altersgründen in den Ruhestand.) Wenn es Dr. Dorn gelingt, daran ist wohl kaum zu zweifein, unter Heranziehung tüchtiger Mitarbeiter einen den Bedürfnissen des Unternehmens entsprechenden Vorstand zu bilden, kann der Fall Zellstoff Waldhof vorerst zu den Akten gelegt werden! Zu hoffen bleibt aber, daß mit dem neuen Vorstand auch eine bessere Unterrichtung der Aktionäre kommen wird. Die bisherige Verwaltung war hier nicht sündenfrei. Sie hat anläßlich der Börseneinführung ihrer jungen Aktien eine optimistische Lagebeurteilung gegeben, die – wie sich später herausstellte – keineswegs im vollen Umfang am Platze war. Immerhin haben einige Banken ihren Kunden den Kauf von Waldhof-Aktien empfohlen, und zwar zu Kursen, die weit über den jetzigen liegen. Keine angenehme Situation für ein Kreditinstitut! Bei der Ausgabe der jungen Aktien forderte die Gesellschaft einen Bezugskurs von 130 v. H., der weit über den üblichen Rahmen hinausging. Begründung: Je besser es einem Unternehmen geht desto höher der Bezugskurs! So glänzend war die Situation bei der Gesellschaft – wie sich jetzt herausstellte–keinesfalls. Auf der HV wurde die Führungskrise, die sich damals wofil auf ihrem Höhepunkt befand, mir sehr vorsichtig gestreift. Zugegeben, Personaldinge sind in breiter Öffentlichkeit schwer zu behandeln. Aber wurde hier nicht zuviel Zurückhaltung betrieben? Jedenfalls beweisen die Vorgänge in der Zellstofffabrik Waldhof, daß in der Gesellschaftspublizität noch vieles im argen liegt. K. W.