Bereits heute befinden sich folgende Bundesbehörden in Berlin: das Bundesverwaltungsgericht in der Hardenbergstraße, die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte am Fehrbelliner Platz (im Gebäude der früheren Reichsversicherungsanstalt). Im Bundeshaus in der Bundesallee (Kaiserallee) unterhaken sämtliche Bundesministerien ihre Berliner Dienststellen. Der Deutsche Städtetag hat das Ernst-Reuter-Haus am Bahnhof Tiergarten umgebaut. Es enthält eine Kongreßhalle mit 500 Plätzen. Über das Schicksal der Reichstagsruine ist noch nicht entschieden. Der Bundestag hat bei seinen bisherigen Besuchen in der Technischen Universität getagt. Ab 1958 wird er sich in der hochmodernen Kongreßhalle versammeln können, deren Grundstein soeben gelegt wurde. Zu ihr gehören neben Studiotheater, Konferenzsaal, großzügiger Dolmetscheranlage und Restaurant ein Auditorium mit 1200 Plätzen. Das weiträumige Ausstellungsgelände am Funkturm, das aus den dreißiger Jahren stammt, bietet für Tagungen und Versammlungen Platz, desgleichen in Zukunft die vernichtete Deutsch – landhalle an der Avus, deren Wiederaufbau soeben beschlossen wurde. Bis zum Winter 1957/58 soll diese große Sportarena mit 1800 festen und 6000 zusätzlichen Plätzen wieder zur Verfügung stehen. Für repräsentative Zwecke steht das Charlottenburger Schloß zur Verfügung. Äußerlich ist das sorgsam restaurierte Schloß, in dem seit Jahren wechselnde Ausstellungen gezeigt werden, schon wieder intakt. An dem als Amtssitz des Bundespräsidenten vorgesehenen Schloß Bellevue im Tiergarten ruhen die Bauarbeiten seit einem Jahr. Auf der Suche nach weiteren Räumen zur Unterbringung der Regierung in Berlin ließe sich die oft gestellte Frage nach dem Schicksal des Europahauses erneut stellen, des zerstörten, doch nicht vollends vernichteten Geschäftshochhauses an der Stresemannstraße, gegenüber dem Anhalter Bahnhof, das dem Bund gehört.

Zwischen Brandenburger Tor und Grunewald bestimmen zahlreiche Neubauten das architektonische Gesicht des neuen Berlins. Im Zooviertel werden bis Jahresende die Büros des sechzehnstöckigen Hochhauses gegenüber dem Bahnhof Zoo und des anschließenden Traktes, der sich, fünf Stockwerke hoch, bis zur Budapester Straße am Zoo-Rand entlangzieht, bezogen werden können. Am Fehrbelliner Platz hat der Bausenator mit seinen Dienststellen soeben ein siebzehnstöckiges Hochhaus bezogen, und im Hansaviertel ist in der vergangenen Woche das Richtfest für das erste Wohnhochhaus in Anwesenheit seines Architekten Walter Gropius gefeiert worden. Appartementhäuser, Kirchen, Kinos und Kaffees entstehen in diesem neuen Stadtviertel im Spreebogen am Nordwestrand des Tiergartens, das nach den Plänen einer internationalen Architektenelite errichtet und das Kernstück der Internationalen Bauausstellung Berlin 1957 sein wird.