R. H., Hamburg

Ein Hamburger Kaufmann sitzt in seinem Kontor und denkt nach. Er hat einer Firma im fernen Nikaragua Waren geliefert, aber die Bezahlung blieb aus. Wie kann er zu seinem Recht kommen – nicht nur nach deutschem Recht, sondern auch nach dem, das in Nikaragua gilt?

Ihn – oder einen anderen – beschäftigt außerdem die Frage, welche Formalitäten für die Gültigkeit eines Wechsels in Honduras nötig sind und in welcher Form eine Bürgschaft in Portugal anerkannt wird. Denjenigen, der wissen will, wie eine Adoption in Liberia möglich ist, gibt es vielleicht gar nicht. Aber geholfen werden kann ihm trotzdem.

Denn: für alle diese Fragen ist dasjenige Teilgebiet der Jurisprudenz zuständig, das Ausländisches und Internationales Privatrecht heißt; Zur Forschung auf diesem Gebiet ist vor dreißig Jahren im Rahmen der damaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ein besonderes wissenschaftliches Institut gegründet worden. Dieses Institut wurde – anfangs im Berliner Schloß wohnhaft und nach dem letzten Kriege provisorisch in Tübingen untergebracht – jetzt nach Hamburg verlegt. Es heißt „Max-Planck-Institut für Ausländisches und Internationales Privatrecht“.

In ein großartiges neues Gebäude am Mittelweg, das der Hamburger Staat ihm gebaut hat, ist das Institut eingezogen. Es soll vor allem – wie alle Institute der früheren Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, die jetzt Max-Planck-Gesellschaft heißt – der reinen Forschung dienen. Aber es wird auch für die Praxis der Wirtschaft und der Gerichte Hilfe bieten. Was der handelnde Bürger davon hat, wurde diesem Bericht in kleinen Beispielen vorangestellt.

Hamburg hat Geld dafür ausgegeben, sogar sehr viel Geld. Das ist dem Neubau schon von außen anzusehen: ein Beispiel guter, einfallsreicher moderner Architektur. Und erst drinnen! Schön und von bestem Geschmack die Ausstattung – modern und von letztem Arbeitskomfort die Einrichtungen für die wissenschaftliche Arbeit.

Die Bibliothek – 90 000 Bände umfassend und weiteren 160 000 Platz bietend – ist die größte dieses Fachgebietes in Europa und so modern aufgestellt und geordnet, daß ein amerikanischer Professor erzählen könnte, dieses sei fortschrittlicher als alles, was er kenne. Auf Leuchtröhren stehe! die Fachgebiete der Regale – sozusagen Be- und Erleuchtung gleichzeitig bietend.