Der Konflikt im Nahen Osten hat die internationalen Warenmärkte in Bewegung gebracht. Eine Reihe fernöstlicher Produkte zog spürbar an. Ganz allgemein rechnet man auf Grund der unsicheren politischen Lage und des Ausfalls des Suezkanals damit, daß die Versicherungsprämien und Frachtraten einen Auftrieb erfahren werden. Die Versorgungslage selbst wird in der Bundesrepublik mit Ruhe beurteilt, nachdem nach Besprechungen der zuständigen Ministerien in Bonn offiziell erklärt worden ist, daß auch dann, wenn der Suezkanal für längere Zeit gesperrt sein sollte und die Frachter den vierzehn Tage längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen müssen, keine Nachschublücken zu befürchten seien. Die Bundesrepublik sei mit den wichtigsten überseeischen Rohstoffen (Rohöl, Kautschuk, Wolle, Baumwolle, Jute, Zinn) hinreichend bevorratet. Wie sich allerdings eine längere Unterbrechung der Rohrleitungen aus Arabien auf die europäische Ölversorgung auswirken würde, ist noch offen. In New York wird dazu erklärt, daß dieser Ausfall nicht durch vermehrte amerikanische Lieferungen ausgeglichen werden könnte. In London ist die baldige Einführung einer Rationierung in Mineralölerzeugnissen angekündigt worden.

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Zu Beginn der neuen Woche standen die deutschen Wertpapierbörsen im Zeichen größter Zurückhaltung. Da die Kundschaft in Verbindung mit Wertpapierkäufen keine Kreditengagements eingegangen ist, waren die durch Abgaben der Ausländer gedrückten Kurse nicht besorgniserregend, zumal die Banken offensichtlich bereit waren, zeitweilige Überspitzungen zu verhindern. Allerdings hat die Haltung der Sowjets in Ungarn jeglicher Spekulation mit Ostwerten ein schnelles Ende bereitet. Auf dem Rentenmarkt war von einer Anlagetätigkeit nur wenig zu merken. Lediglich die achtprozentige Hoesch-Anleihe wurde praktisch bereits vor der offiziellen Zeichnung voll untergebracht.