Die Tatsache, daß bei der Rheinmetall-Privatisierung die Borsig AG, Berlin, ausgeklammert und nicht in den Röchling-Besitz übernommen, sondern in den ehemaligen Reichswerke-Konzern, die bundeseigene AG für Berg- und Hüttenbetriebe, Salzgitter, übergegangen ist, hat in manchen Wirtschaftskreisen Zweifel in die Aussichten dieses namhaften Berliner Unternehmens aufkommen lassen. Man muß bedenken, daß Borsig gegenüber allen anderen vergleichbaren Industriebetrieben Westberlins durch die mindestens, um ein Jahr verspätete Produktionsaufnahme im Nachteil war. Im Gegensatz im anderen namhaften Berliner Unternehmen mußte es sich allein auf die Basis Berlin stützen. Da du Produktionsprogramm unter Ausschaltung gegenwärtig nicht rentabler Fertigungen (z. B. Lokomotiven) im wesertlichen an die taditionellen Fertigungszweige anschließen sollte, die im Bundesgebiet aber bereits wieder auf vollen Touren liefen, war die Rückgewinnung der alten Märkte, soweit sie nicht im sowjetischen Machtbereich liegen, nur gegen stärkste Konkurrenz möglich. Andererseits fiel der Neuaufbau in eine Zeit, in der für ein Unternehmen vom Range der Borsig AG in Westberlin nicht nur absatzwirtschaftliche Gesichtspunkte ausschlaggebend waren, sondern auch – selbst unter Opfern – die Schaffung neuer Arbeitsplätze ein wesentliches Moment war.

Diese und eine Reihe anderer Gründe, die nur aus der besonderen Lage Berlins zu verstehen sind, haben nicht nur den Anlauf erschwert, sondern auch einen Kapitalbedarf hervorgerufen, der die Möglichkeiten der ebenfalls durch den Krieg und seine Folgen besonders schwer geschädigten Muttergesellschaft überstieg. Nur so ist die noch immer nicht ganz behobene Unterkapitalisierung (Ende 1955: 25 Mill. DM AK bei einem Anlagevermögen von rund 56 Mill. DM) und die Tatsache zu erklären, daß die seit 1950 investierten rund 65 Mill. DM nur eine äußerst knappe Decke boten. Andererseits haben die Umsatzzahlen der letzten Jahre (1954 rund 60 Mill., 1955 rund 75 Mill., 1956 voraussichtlich etwa 100 Mill. DM) die Entwicklungsfähigkeit bewiesen. Daß dennoch keine schnelle Rendite zu erwarten ist, erscheint bei einer Bilanzsumme von rund 120 Mill. DM und einer Bankverschuldung von etwa 49 Mill. DM Ende vorigen Jahres kaum verwunderlich. Es ist aber zu hoffen, daß der Anschluß an den Salzgitter-Konzern, der seine früheren reinen Produktionsinteressen deutlich nach der Verarbeitungsseite hin ausdehnt, Borsig durch Finanzierungshilfen und Absatzchancen die Möglichkeit gibt, endlich aus der Rolle des Stiefkindes der Berliner Wirtschaft herauszuwachsen. (Gn.)