K-a, Heidelberg

Es war sicher eine gutgemeinte Idee des deutschamerikanischen Frauenklubs, in der Heidelberger Stadthalle eine „Christmas Fair“, einen kleinen, etwas frühen Weihnachtsmarkt zu veranstalten, dessen Erlös wohltätigen Zwecken zugutekommen sollte. Außerdem sollte hier, fern von aller Politik, eine kleine Völkerverständigung von Hausfrau zu Hausfrau, von den Frauen der in Heidelberg stationierten US-Soldaten zu den Frauen der Heidelberger, also zu den Heidelbergerinnen, geübt werden.

Es war warm und gemütlich dort. Man konnte in Ruhe, ohne zu frieren, aussuchen und sich zwischendurch an einer Coca-Cola erfrischen. Was es zu kaufen gab, war hübsch und gut sichtbar auf den weihnachtlich dekorierten Tischen der Heidelberger Geschenkartikelfirmen aufgebaut: neben Keramikarbeiten, Kupferstichen und kunstgewerblichen Arbeiten gab es vor allem Kuckucksuhren, viele Kuckucksuhren. Dann Schmuckkästchen, die, wenn man sie aufmacht, „Ob immer Treu und Redlichkeit“ singen, und große, furchterregende Holzhunde mit einem Chronometer im Bauch. Auch Seidentücher, mit dem beliebten Alte-Brücke-Schloß-Blick bemalt, oder solche, die buntgestickt erzählen, sie hätten ihr Herz in Heidelberg verloren („Ich hab...“, sagt so ein Tuch). Da gab es Bierhumpen, die klingeln, wenn man sie aufmacht, und wenn man aus ihnen trinkt, hebt man den ganzen Königsstuhl samt Schloß mit an den Mund. Da gab es kleine, dicke Mönche, die die Hände über dem Bauch falten und aus deren hohlem Kopf am Kaffeetisch die Sahne fließen soll. Dazu viele, viele Spieluhren; manche klimpern, manche leiern, manche klingeln, aber sie spielen alle... Daher der Name.

Trotzdem hat es dann mit der hausfraulichen Verständigung nicht so recht geklappt. Die ausstellenden Firmen beklagten sich nämlich, daß kaum deutsche Besucher dagewesen seien. Was wohl beweist, daß man in Sachen des Geschmacks eben doch schwer zwei Herren dienen kann.