Das Problem der Plastik wird durch den Raum bestimmt. Konzeption und Technik sind eng verbunden. Ich gebrauche die Materialien meiner Epoche“ – dies sind in konzentrierter Fassung die künstlerischen Glaubenssätze des Eisenplastikers Berta Lardera, dessen Arbeiten nach vereinzelten Vorführungen in Hamburg (Plastik im Freien) und Kassel (Documenta) zum erstenmal als Ensemble in Deutschland gezeigt werden. Im Krefelder „Museum Haus Lange“, das Mies van der Rohe 1928 für das Zusammenleben von Menschen und Kunstwerken meisterhaft errichtet hat, haben Larderas eiserne Figuren einen idealen Ort erhalten. Wie der Künstler bei der Eröffnung bekannte, haben sie nie schöner und sinnvoller gestaltet werden können. Überhaupt geht sein Wunsch nach Zusammenarbeit mit der neuen Architektur. In einzelnen Fällen konnte er ihn an Häusern italienischer Sammler verwirklichen; aber die meisten seiner Werke suchen noch ihren architektonischen Ort.

Lardera wurde 1911 in La Spezia geboren; seit 1948 lebt er in Paris, Nähe Gare du Montparnasse, wo seit jeher viele Bildhauer ihre Ateliers haben. In eine italienische Tradition läßt sich Lardera nicht ohne weiteres einfügen, etwa wie Marini oder Viani, die trotz ihrer zeitgenössischen Botschaft von den überlieferten Formen ausgehen. Larderas „italianità“ erweist sich jedoch im architektonischen Gleichgewicht der Kräfte, in der klaren Definition eines skulpturalen Raumes, der von den mächtigen, ausdrucksvollen Eisenflächen gebildet wird. Ansonsten gehört Lardera zu der imaginären „école de Paris“; sein stilistischer Stammvater ist der Spanier Gonzalez, der Begründer der neueren Eisenplastik, dessen expressiven Figuren er jedoch eine eigene Konzeption entgegensetzt. Lardera ist nicht nur ein heller Kopf, der an der Florentiner Universität seine klassischen Studien betrieben hat; er ist Künstler mit Phantasie und Erfindungskraft.

Gegen Kriegsende hat Lardera, der als Plastiker Autodidakt ist, mit zweidimensionalen Metallformen begonnen. Dieses Anfangsstadium wird in der Ausstellung durch eine einzelne Arbeit belegt. Nach Klärung und Erprobung seiner Mittel auf der Fläche unternahm er den Vorstoß zur räumlichen Plastik, indem er konsequent die aus Walzeisen geschnittenen, zweidimensionalen Formen in vertikalen und horizontalen Stellungen zusammensetzte. Larderas gestalterische Absicht zielt jedoch nicht auf die Konstruktion stereometrischer Körper oder Gerüste, sondern auf freie Konstellation der irregulären, meist durchbrochenen Metallscheiben, die den Eigenraum der Plastik nicht umschließen, sondern Luft und Licht des umgebenden Freiraums in sich aufnehmen. Seine Eisenplastiken bleiben daher trotz ihrer konzentrischen Komposition offene Gebilde, die eine Kommunikation zur Natur oder Architektur suchen und aufnehmen. Lardera zeichnet viel; er komponiert Kollagen und malt Gouachen, in denen oft bereits der Kern einer plastischen Idee enthalten ist. Trotzdem entwickelt er seine Formen erst bei der Arbeit an der Eisenplatte, aus der er mit Schneidbrenner und Meißel die Elemente herauslöst. Neben scharf geschnittenen Silhouetten (siehe Abbildung) trifft man auch auf kammartig eingekerbte oder ausgezackte Konturen, die zur Transparenz der Raumform beitragen. Außer der Kombination verschiedenfarbiger Metalle, deren Oberflächen durch Hämmern, Schweißen und Firnis strukturiert wird, liebt Lardera seit neuestem die Einfügung farbiger Zellen aus rotem oder gelbem Mosaik. Als intensiv farbiges Material kontrastieren diese Steinfelder reizvoll dem dunkel schimmernden Metall. Die sehenswerte Schau bleibt noch bis zum 2. Dezember in Krefeld, dann geht sie sofort nach New York. Eduard Trier