Woran liegt es, daß unser Verhältnis zu den amerikanischen Soldaten in Deutschland heute, da sie als Verbündete bei uns sind, offenbar schlechter ist als zu jener Zeit, da sie noch Besatzungssoldaten waren? Allein mit den durch ungezählte Schlagzeilen ins öffentliche Bewußtsein gehämmerten „Zwischenfällen“ der letzten Monate läßt sich das wohl nicht erklären. Zwischenfälle gab es auch früher; nur wurden sie da auch als Zwischenfälle gewertet und nicht als Symptome. Woran also liegt es?

Eine Antwort – oder besser: mehrere mögliche Antworten auf diese Frage zu finden, versuchte Werner Baecker in seiner so mutigen wie maßvollen, so schonungslosen wie ausgewogenen Hörfolge: „Alliierte Soldaten unter der Lupe“ (NDR Mittelwelle, Mittwoch, den 31. Oktober, 20.30 Uhr bis 21.15 Uhr). Das einzige, was an dieser Sendung nicht stimmte, war der Titel. Denn es ging hier nicht um Engländer oder Franzosen, sondern einzig und allein um die fremden Soldaten in den südlichen Landstrichen der Bundesrepublik: um die Amerikaner.

Diese 250 000 Boys aus Oklahoma oder Idaho, aus Virginia oder Kansas leben nicht nur als Fremde bei uns, sondern sind – sagen wir es ganz offen – immer noch (oder schon wieder!) ein Fremdkörper. Daß daran auch die amerikanische Armeeführung schuld ist, die ihre Soldaten stets und ständig mit einem „Klein-Amerika“ zu umgeben trachtet, will niemand leugnen. Aber wie steht es mit unserer eigenen Schuld? Haben wir wirklich das Unsere getan, die scheinbar unüberwindliche Wand abzutragen, welche Kontakte nur ganz „oben“ bei den Politikern und Militärs und ganz „unten“ bei den Bier-Bar-Fräuleins zuläßt? Baecker sagt: Nein! und er macht einen Vorschlag, wie man Gereiztheit und Unverständnis auf beiden Seiten einfach und recht schnell beseitigen könnte: Ganze amerikanische Truppeneinheiten, Kompanien oder Bataillone sollten übers Wochenende von nord- und westdeutschen Städten eingeladen und dort in Familien gebracht werden. Und den Amerikanern ruft Baecker zu: „Lernt unsere Landessprache, denn in Deutschland wird nun einmal Deutsch gesprochen!“

Eine gelungene Sendung, die ein heißes Eisen fest anpackte, und dabei der Versuchung nicht erlag, das Sensationelle, das jedem heißen Eisen nun mal anhaftet, über Gebühr und dramatisierend für sich auszumünzen. H. G.

Wir werden sehen:

Donnerstag, 8. November, 20.50 Uhr: Ein in jüngster Zeit am Suezkanal gedrehter Dokumentarfilm versucht die Hintergründe zum israelisch-ägyptischen Krieg aufzuzeigen.

Freitag, 9. November, 20.20 Uhr: Bruno Franks Schauspiel von dem Verkauf der „Zwölftausend Soldaten für England“ in der Fernsehbearbeitung und unter der Regie von Fritz Umgelter.