Athen, Anfang November

Die 21. Internationale Messe von Thessaloniki war für die Wirtschaft des Westens trotz aller Bemühungen ein verlorenes Vorpostengefecht. Noch scheint nicht erkannt zu sein, daß sich der Kalte Krieg auf die wirtschaftliche Ebene verlagert hat und auch hier mit allen Mitteln geführt wird...

Griechenland ist für die Ostblockstaaten der Zugang zum Mittelmeer. Und das mazedonische Gebiet um Thessaloniki ist ein uralter Kampfplatz zwischen Ost und West.

Das zeigte auch die Messe. Die Ostblockstaaten hatten Vereinbarungen untereinander getroffen, was sie und wie sie ausstellen wollten. Demgegenüber traten die westlichen Länder stark in den Hintergrund. Ihre Firmen verteilten sich über das ganze Ausstellungsgelände. Man hatte es weitgehend den griechischen Vertretern überlassen, wie sie die Ausstellung gestalten wollten. Das galt auch für die Bundesrepublik. Ihre 350 Firmen verschwanden in der Messe, in die sie verteilt waren. Firmen wie BMW waren nur unscheinbar, Humboldt-Klöckner-Deutz und Mercedes-Benz nicht nach ihrer Bedeutung vertreten. Nur Krupp zeigte seine Leistungen repräsentativ und hob damit die Wirkung der westdeutschen Beteiligung. Gewiß sind die Ostblockstaaten besser daran als wir: ein Befehl – und alles ist in Ordnung. Aber es sollte doch möglich sein, unsere Leistungen geschlossener und damit eindrucksvoller zu zeigen. Natürlich können wir nicht gegen die um 40 v. H. niedrigeren Schlepper-Preise der Ostblockstaaten an, und wir können auch nicht so weite Zahlungsziele setzen. Wohl aber können wir uns Gedanken machen, was wir den Griechen anzubieten haben – unter dem Gesichtspunkt, die Einnahmen der überwiegend kleinbäuerlichen Betriebe dort zu steigern und damit ihre Kaufkraft zu heben. Es ist für den kleinbäuerlichen Agrarstaat wichtig, die Rentabilität durch Verwendung der Technik in der richtigen Form zu verbessern. Durch entsprechende Bemühungen der Lieferanten wird Vertrauen geschaffen – und Vertrauen ist der beste Handelsvertreter. So wäre es sinnvoll, bereits jetzt zu überlegen und Vereinbarungen zu treffen, was man im nächsten Jahr zeigen und wie man es zeigen will. Eine solche Messe ist ja mehr als eine Verkaufsmesse. Sie kann und sollte auch eine Lehrausstellung sein, die den Besuchern zeigt, wie man zu besseren Erträgen und zu einer besseren Verwertung der Erzeugnisse kommt.

Griechenland ist eine Messe wert. Nicht der Verkaufserfolg dieses oder des nächsten Jahres ist entscheidend für die Gestaltung der künftigen Ausstellungen: es geht um den Markt von morgen und übermorgen, und es geht um mehr, Da lohnt es sich, einen besonderen und durchdachten Kundendienst aufzubauen. W. S.

Ministerpräsident Konstantin Karamanlis gab anläßlich der Eröffnung der Messe in Thessaloniki der Genugtuung der griechischen Regierung darüber Ausdruck, daß zum Aufbau der griechischen Wirtschaft von ausländischer Seite Kredite erheblichen Volumens eingeräumt werden. Dies sei ein Beweis für das internationale Vertrauen, das sich Griechenland erworben habe. Diese Feststellung des griechischen Premiers weist auf ein die deutsche Seite interessierendes Kapitel hin: Die von der Bundesregierung im November 1953 der griechischen Regierung zugesagte Bürgschaft für deutsche Lieferantenkredite in Höhe von 200 Mill. DM ist bisher griechischerseits nur zu etwa 50v. H. in Anspruch genommen worden. Der Minister für Handel und Industrie, Papaliguras, erklärte dazu in Athen, das liege daran, daß auch von anderer ausländischer Seite Kreditangebote vorlägen und die griechische Regierung im Rahmen der internationalen Ausschreibungen selbstverständlich der günstigsten Offerte den Zuschlag gäbe.

Auf diese Weise hat kürzlich ein Schweizer Unternehmen (Brown, Boveri & Cie) den Auftrag zum Bau des im Rahmen der Industrialisierungsvorhaben bei Ptolemais (Mazedonien) geplanten Wärmekraftwerkes erhalten. g.