Die Münchener oktoberfestliche IKOFA (Internationale Kolonialwaren- und Feinkost-Ausstellung) 1956 wird verständlicherweise von den Veranstaltern, vor allem von der Arbeitsgemeinschaft süddeutscher Fachverbände des Lebensmitteleinzelhandels, als ein großer Erfolg gepriesen. Die zeitliche und örtliche Verbindung zum Münchener Oktoberfest hat sicher zu dem quantitativen Erfolg der IKOFA beigetragen. Über den qualitativen Wert der Münchener Veranstaltung gehen die Meinungen in- und ausländischer Fachleute sehr auseinander. Es überwiegen die Stimmen, die der Kölner Allgemeinen Nahrungs- und Genußmittel-Ausstellung (ANUGA) den größeren Wert zuerkennen.

Die diesjährige IKOFA verdankte ihr Zustandekommen, neben dem Ehrgeiz der süddeutschen und bayrischen Einzelhandelsbosse und der Münchener Ausstellungsväter, vor allem der unverständlichen Nachgiebigkeit des Vorstandes des Hauptverbandes des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels (Sitz Wiesbaden), der im Januar auf Antrag seines bayerischen Mitgliedes beschloß, gegen die IKOFA 1956 als „Sonderfall“ keine Einwendungen zu erheben. Der Hauptverband in Wiesbaden ist offizieller Träger und Gewinner der Kölner ANUGA, die im In- und Ausland als Welttreffen der Ernährungswirtschaft anerkannt ist.

Diesem Beschluß des Wiesbadener Hauptverbandsvorstandes vom Januar waren andere, wichtige verbandsoffizielle Beschlüsse voraufgegangen: Am 15. August 1955 hat der Vorstand des Wiesbadener Verbandes in Kiel beschlossen, die ANUGA zur umfassenden Leistungsschau der deutschen Ernährungswirtschaft zu deklarieren (die ANUGA fand im Herbst 1955 in Köln statt). Sie sollte, so beschloß man in Kiel, als einzige Ausstellung ihrer Art im Bundesgebiet gelten. Am 24. Januar 1956 bestätigte der Vorstand in Wiesbaden seinen Kieler Beschluß eindeutig und einstimmig, d. h. einschließlich der süddeutschen Vertreter, wobei man jedoch die IKOFA 1956, also nicht die IKOFA schlechthin, als Sonderfall hinnahm.

Was sagt aber nun der Hauptverband des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels, der wohlgemerkt Träger und Gewinner der ANUGA ist, zu der frischfröhlichen Münchener Ankündigung, in zwei Jahren eine Neuauflage der IKOFA zu veranstalten? Werden die Verbandspolitiker auch diesmal einer im Interesse des deutschen Messe- und Ausstellungswesens notwendig klaren Entscheidung wieder ausweichen? Oder werden sie sich auf einen bisher unbekannten Teil ihres Beschlusses vom Januar 1956 zurückziehen, der u. a. besagt, daß eine Beteiligung, Mitwirkung, Förderung und Unterstützung von regionalen Ausstellungen nur durch die Regionalverbände erfolgen dürfe? Ein solcher Rückzieher wäre den Bayern vielleicht gar nicht mal so unangenehm, weil sie dann erst recht freie Hand hätten.

Was wird die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels als Spitzenorganisation aller Einzelhandelsverbände zur IKOFA 1958 sagen, nachdem ihr Präsident Hans Schmitz mit einem ostentativen Geleitwort den IKOFA-Katalog 1956 einleitete? Was wird der sonst und zuweilen in falschen Sälen um die Ausstellungs- und Messekonzentration so besorgte Hauptgeschäftsführer der Hauptgemeinschaft, Franz Effer, zum Thema IKOFA 1958 sagen? Und schließlich: Wird sich der Ausstellungs- und Messeausschuß der deutschen Wirtschaft (AUMA) auch diesmal wieder hinter formalen Entschuldigungen verschanzen, ohne klipp und klar erkennen zu geben, was er messepolitisch von einer durch keinerlei wirtschaftliche Gründe gerechtfertigten Verdoppelung einer Fachausstellung wirklich hält?

Die Antworten auf die nach Beendigung der IKOFA erneut aufgeworfenen, (weil vorher nur aufgeschobenen) Fragen werden ein Gradmesser dafür sein, ob und in welchem Umfang es gelingt, die fortschreitende Provinzialisierung in gewissen Teilen des deutschen Messe- und Ausstellungswesens zum Stillstand zu bringen. Daß dieser Prozeß endlich aufgehalten wird, daran müßte vor allem auch die ausstellende Wirtschaft ein erkennbares Interesse haben. – ba –