DIE ZEIT

Es ging nicht ohne Israel

So wie der Chirurg nicht fragt, ob er einen Mörder oder einen Helden unter dem Messer hat, sondern einfach seziert, so analysiert hier der französische Militärwissenschaftler F.

Thielickes Antwort im Hörsaal A

Westdeutschlands Studenten demonstrierten in fast allen Universitätsstädten. Sie demonstrierten für und sie demonstrierten gegen, und sie wußten, wie hilflos ihre Geste war.

Fackeln in Berlin

Zu hunderttausend auf dem Rudolph-Milde-Platz versammelten Berlinern sprach Franz Neumann über die gefährdete Lage Berlins. Die ungeduldige Menge aber rief: „Ungarn! Ungarn!“ Neumanns Rede ging fast im Tumult unter.

Recht auf Frieden!

Selten haben so wenige Tage so viele Hoffnungen so gründlich zerstört! Die Europa-Hoffnung hat durch den Entschluß Englands und Frankreichs, alle Warnungen in den Wind zu schlagen und den Gordischen Knoten am Suezkanal nun doch mit dem Schwertzu zerhauen, einen bösen, vielleicht tödlichen Stoß bekommen.

Die Schrift an Pankows Wand

Pankow braucht den Teufel nicht an die Wand zu malen. Die „schwarze Hand der Konterrevolution“, von der in diesen Tagen so viel die Rede ist, wirft ihre Schatten über das Land zwischen Elbe und Oder.

ZEITSPIEGEL

Wir können und wollen bewaffnete Aggression nicht gutheißen, wer immer der Angreifer und wer immer der Angegriffene ist. Wir können nicht ein Gesetz für die Schwachen und ein anderes Gesetz für die Starken, ein Gesetz für unsere Gegner und ein anderes Gesetz für unsere Verbündeten gelten lassen.

Präsident Eisenhower

Sollte sich ein politischer Schriftsteller der Mühe unterziehen, eine neue Biographie Dwight D. Eisenhowerszu schreiben, so könnten wir ihm einen Titel anbieten: Die Ohnmacht der Macht.

„Rot“ hat seinen Sinn verloren

Unter strahlendem Himmel fuhr ich am Allerheiligen, dem Jubeltag der Revolution, die zum See sich weitende Donau entlang hinab in das zerstörte Budapest.

Suez kam Togliatti sehr zupaß

Im römischen Hauptquartier der italienischen KP ist dem Vernehmen nach seit Jahren keine Nachricht mit größerem Jubel aufgenommen worden, als die der militärischen Intervention Großbritanniens und Frankreichs im Nahen Orient.

Eden: „Für den Weltfrieden“

Seit zehn Jahren herrschen im Nahen und Mittleren Osten Kämpfe, Unruhen und Aufruhr. Seit dem Waffenstillstand von 1949 zwischen Israel und den arabischen Ländern besteht Ägypten darauf, daß es sich noch immer mit Israel im Kriegszustand befindet.

Jeder Schuß in Ägypten ist ein Schuß gegen Europa

Um den Wahnsinn des englisch-französischen Angriffs auf Ägypten ganz zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß der Nahe und Ferne Osten von den Ereignissen in Ungarn so gut wie nichts erfährt, weil alles Interesse auf Ägypten gerichtet ist, daß Millionen Menschen von Casablanca bis Schanghai der Aggressionskrieg der Imperialisten tagtäglich mit Lautsprechern und in allen Einzelheiten ausgemalt wird: Da fallen Bomben auf Moscheen und Krankenhäuser, Schulen brennen,Frauen schreien, Kinder werden verstümmelt.

Mollets Flucht nach vorn

Der französische Verteidigungsminister Bourgès-Manoury hat an dem Tag, an dem die britischfranzösische Intervention gegen Ägypten angekündigt wurde, gesagt: „Es ist besser zu handeln als nichts zu tun.

Bergs „Wozzeck“ in Stuttgart

Die gründliche Renovierung des Stuttgarter Opernhauses, die aus dem veralteten jugendstiligen einen gemäßigt modernen festlichen Zuschauerraum machte, brachte außer einer mit viel schönen Reden gezierten Eröffnungsfeier, die man freilich lieber an ein würdiges Schauspielhaus hätte wenden sollen, eine „Eröffnungswoche“, die mit der von Wieland Wagner inszenierten „Götterdämmerung“ begann und mit Alban Bergs Oper „Wozzeck“ endete.

Der Wiener Sängerkrieg

Ein Tenor und ein Wild von sechs Bäumen – Die Machtergreifung der Vierten Galerie

Der Aufstand der Handwerker

Heute noch gibt es Stimmen, die der mittlerweile doch zu zweihundertjährigem Alter herangereiften Soziologie zwar nicht gerade die Daseinsberechtigung, wohl aber das Recht absprechen, sich wissenschaftlich flügge zu nennen.

Leo Baeck zum Gedächtnis

Der ehemalige Oberrabbiner von Berlin, Dr. Leo Baeck, ist am Freitag im 84. Lebensjahre in London verschieden. Mit ihm ist das eigentliche Oberhaupt des deutschen Judentums dahingegangen.

Sartres „Nekrassow“

Als vor acht Jahren Berlin zum ersten Male Bekanntschaft mit Jean Paul Sartre machte – mit seinen „Fliegen“, war dies ein Ereignis, das die ganze Stadt bewegte.

Notizen

Zieht Bruno Walter sich zurück? Der berühmte österreichische Dirigent Bruno Walter hat die Einladung der New Yorker Philharmonischen Gesellschaft, für sie in der Konzertsaison 1957/58 als Gastdirigent aufzutreten, abgelehnt.

Therapeuten unbeliebt

Die Pariser Theatersaison hat mit einem regelrechten Skandal begonnen: Jean Anouilhs Dreiakter „Armer Bitos oder Das Diner der Köpfe“ scheidet die Presse und das Publikum in zwei widerstreitende Lager.

Eisenplastik von Lardera

Das Problem der Plastik wird durch den Raum bestimmt. Konzeption und Technik sind eng verbunden. Ich gebrauche die Materialien meiner Epoche“ – dies sind in konzentrierter Fassung die künstlerischen Glaubenssätze des Eisenplastikers Berta Lardera, dessen Arbeiten nach vereinzelten Vorführungen in Hamburg (Plastik im Freien) und Kassel (Documenta) zum erstenmal als Ensemble in Deutschland gezeigt werden.

Kolumbus bis Stanley

Es braucht nicht lange darüber diskutiert zu werden: Paul Herrmanns Buch „7 vorbei und 8 verweht“, das 1952 erschien, ist mit einer Auflage von 325 000 Exemplaren und mit Übersetzungen in 10 Sprachen ein echter Bestseller geworden.

Schwarzer Tito

Vor einigen Tagen erklärte Aimé Césaire, der größte Negerdichter und seit dem Tode Eluards und Brechts neben Pablo Neruda und Rafael Alberti auch der international bedeutendste Lyriker, auf den sich der Weltkommunismus berufen konnte, seinen Austritt aus der kommunistischen Partei Frankreichs.

Ein Amerikaner in Athen

Wenn heute einer eine Reise tut, so kann er nichts erzählen; dafür kann er kiloweise Photos herzeigen, auf denen wir all den „Motiven“ begegnen, die erfahrungsgemäß „was hergeben“: von der Skyline New Yorks über die wäscheverhängten Gäßchen Neapels bis zum Eseltreiber am Stil.

Kleiner Mann im grauen Anzug

Das ist der „kleine Mann“ der Nachkriegsjahre in den USA: Tom Rath, Mitte dreißig, bescheiden, ängstlich, zurückhaltend und ordentlich wie Zehntausende anderer Angestellter, die morgens zwischen acht und neun a.

Im Brennpunkt des Gesprächs:: Heller als tausend Sonnen

Die politische Situation der Welt kann von heute auf morgen – innerhalb eines Tages – in einem Maße grundlegend verändert werden, ohne daß ein Krieg stattfindet, eine Revolution ausbricht oder auch nur ein einziger Politiker eine Rede hält.

Hamburg: Alles für Ruhe!

Die stille Zelle, abseits vom Lärm der Welt, wen wandelte nicht zuweilen die Sehnsucht nach ihr an? Doch wo ist klösterliche Einsamkeit bei uns in Hamburg zu finden, wo Klosterstern nur eine U-Bahnstation ist und die Häuser der Abteistraße weltliche Wohnstätten sind? Wie könnten wir hier – vorausgesetzt, wir seien um der einsamen Zelle willen dazu bereit – die weltliche Kleidung ablegen, den Schleier nehmen, der die Unruhe der Gegenwart in diffuse Ferne rückt? Es gibt keine Klöster in Hamburg.

Studenten

Die Art, wie die Polizei mit randalierenden Jugendlichen umgeht, hat zu mancherlei Kritik Anlaß gegeben. Mehr Verständnis für die Jugendlichen wird dabei mit gleichem Recht gefordert wie mehr Verständnis für die Polizei.

Nordrhein-Westfalen: Presseball ohne Prominenz

Die Politik gibt dem Presseball seine besondere Attraktion, aber auch sein besonderes Risiko. In diesem Jahre verdüsterte sie den Glanz seiner Prominenz, und beinahe hätte sie verhindert, daß der Ball die Lichter einer Tanznacht in den Kursälen von Bad Neuenahr überhaupt erblickte.

Baden-Württemberg: „Christmas Fair“

Es war sicher eine gutgemeinte Idee des deutschamerikanischen Frauenklubs, in der Heidelberger Stadthalle eine „Christmas Fair“, einen kleinen, etwas frühen Weihnachtsmarkt zu veranstalten, dessen Erlös wohltätigen Zwecken zugutekommen sollte.

Bayern: Begegnung mit Ungarn

Mit der Freiheit Ungarns steht oder fällt die Freiheit in ganz Europa.“ So endete Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler seine Messe zu nächtlicher Stunde am Wochenende in München.

Hessen: Demonstrationen gegen den Krieg

Zusammenstöße zwischen Studenten und Polizei“, „Polizei verhindert Studentenproteste in Frankfurt“, „Straßenschlacht vor der Uni“ – mit diesen und ähnlichen Schlagzeilen wurde die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Vorfälle an der Frankfurter-Universität gelenkt, die sich am Freitagnachmittag ereigneten.

Die Notenbank wird schon jetzt überfordert

Es scheint, als ob selbst sehr gelehrte Kreise in Deutschland der Auffassung seien, man könne das „laissez faire – laissez aller“ auch auf wirtschaftliche Sünden und Fehler ausdehnen, weil schließlich die Notenbank schon dafür sorgen werde, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen .

Paßt nicht in den Markt

Die „Arbeitsgemeinschaft vergleichbarer Güter“ war offenbar der Auffassung, es habe nur wenig Sinn, wenn sie ihre Argumente ihren Freunden vortrüge.

Arme Aktionäre

Wieder haben wir ein trauriges Kapitel aus dem Aktienwesen zu registrieren. Es handelt sich um den Ablauf der HV der Ford-Werke AG, Köln.

Sparförderung – wie?

Es ist nun höchste Zeit, daß sich die Regierungsparteien endlich darüber klarwerden, in welcher Form sie das steuerbegünstigte Sparen (über die bei den Sonderausgaben schon getroffene Regelung hinaus) zusätzlich fördern wollen, um Mittel für den sozialen Wohnungsbau freizubekommen.

Ruhige Beamte...

Bei einer „Fahrt auf die Dörfer“, die neulich von der Verbindungsstelle Industrie/Landwirtschaft (Sitz Essen) veranstaltet wurde, ergab sich auch die Gelegenheit, einen Kollegen aus der Landwirtschaftlichen Fachpresse über seine Erfahrungen zu hören.

Wieder beginnt das gleiche Spiel

Der Bauernverband und auch die Deutsche Partei, die offensichtlich gern die Rolle einer parlamentarischen Stoßgruppe der Grünen Front spielen möchte, haben die Forderung erhoben, es müsse – unverzüglich – von Staats wegen (und mit stattlichen Zuschüssen) für „kostendeckende Preise“ der landwirtschaftlichen Erzeugung gesorgt werden.

Auf einen Blick...

Der Konflikt im Nahen Osten hat die internationalen Warenmärkte in Bewegung gebracht. Eine Reihe fernöstlicher Produkte zog spürbar an.

Streik ohne Ende?

Im schleswig-holsteinischen Metallarbeiterstreik hat am Mittwoch die dritte Wochenrundebegonnen. Ein Ende dieses unerfreulichen Konflikts, der von der Öffentlichkeit mit so merkwürdiger Gelassenheit hingenommen wird (allerdings gibt es zur Zeit andere und größere Sorgen), ist immer noch nicht abzusehen.

Der neue Haushalt kommt

Drei Sitzungstage, wenn nicht mehr, wird das Bundeskabinett diesmal brauchen, um den Haushaltsvoranschlag für 1957/58 parlamentsreif zu machen.

Katerstimmung

In der Bauindustrie ist Katerstimmung eingetreten: Der jüngste Quartalsbericht der Wirtschaftsvereinigung Bauindustrie e. V.

Weltweite Nationalökonomie

Selbst für die Ewige Stadt bedeutete der wirtschaftswissenschaftliche Weltkongreß, der in Rom vor einigen Wochen stattfand, etwas ganz Neues.

Maltzan-Aktivität

Auch als Botschafter in Paris verleugnet Dr. Vollrath Frhr. von Maltzan seine alte Liebe zum Außenhandel nicht: am Dienstag der vergangenen Woche gab er einen Empfang, der ausschließlich der Förderung und Festigung der Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und der Bundesrepublik gewidmet war.

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