Um den Wahnsinn des englisch-französischen Angriffs auf Ägypten ganz zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß der Nahe und Ferne Osten von den Ereignissen in Ungarn so gut wie nichts erfährt, weil alles Interesse auf Ägypten gerichtet ist, daß Millionen Menschen von Casablanca bis Schanghai der Aggressionskrieg der Imperialisten tagtäglich mit Lautsprechern und in allen Einzelheiten ausgemalt wird: Da fallen Bomben auf Moscheen und Krankenhäuser, Schulen brennen,Frauen schreien, Kinder werden verstümmelt... Was in diesen Tagen geschieht, ist in unserer Generation nicht wieder gutzumachen. Es ist für diese Völker der letzte Beweis, daß Moskau recht hat mit seiner Behauptung, den Kapitalisten gehe es nur um Macht und Öl. Wenn es den Sowjets nun auch noch gelingen sollte, als Friedensbringer aufzutreten, dann ist in einer Woche das erreicht, was seit Trumans Punkt-Vier-Programm versucht wurde zu verhindern. Die Verlogenheit, mit der dieser Aggressionskrieg (warum wohl Verteidigungsminister Sir Walter Monckton am 18. Oktober zurückgetreten ist?) vorbereitet und durchgeführt wird, hat alle alten Vorstellungen vom perfiden Albion wieder geweckt. Man lese nur Edens Ansprache an die Nation. Aber man lese auch die Antwort des Oppositionsführers. Niemand hätte die englische Heuchelei und den politischen Irrsinn dieser selbstmörderischen Tat schärfer anprangern können als Hugh Gaitskell, hinter dem 255 zornige Abgeordnete stehen und die nobelsten Geister der englischen Nation. Wir drucken hier die in Deutschland bisher nicht veröffentlichten beiden Ansprachen ab, weil sie zu den wichtigen Dokumenten dieser Tage geboren. den. Ich könnte das nicht ändern, selbst wenn ich es wollte. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, daß unsere Handlungsweise richtig ist...

Die Regierung war sich bewußt, daß dieses Vorgehen manche Leute schockieren und schmerzen würde. Bombenangriffe auf militärische Ziele – ich glaube, es ist besser, Maschinen auf dem Boden zu zerstören, als die Zerstörung von Menschen aus der Luft zuzulassen ...

Unsere dringlichste Aufgabe ist es, den Kämpfen ein Ende zu setzen, die Armeen zu trennen und dafür zu sorgen, daß nicht erneut gekämpft wird. Wir sind eingeschritten, weil die Vereinten Nationen es nicht rechtzeitig tun konnten. Falls die Vereinten Nationen diese Polizeiaktion übernehmen würden, so würden wir das begrüßen. Ja wir haben diesen Schritt sogar vorgeschlagen. Die Polizeiaktion zielt nicht nur darauf ab, die Kämpfe zu beenden, sondern um einem Gebiet bleibenden Frieden zu bringen, das unter ständiger Kriegsdrohung gelebt oder zu leben versucht hat. Bis die Vereinten Nationen imstande sind, uns abzulösen, müssen wir und Frankreich bereit sein, weiterzumachen, bis die Arbeit getan ist.

Wir wollen hoffen, daß das Ergebnis nicht nur Frieden im Mittleren und Nahen Osten sein wird, sondern auch eine gestärkte UNO, eine UNO, die die Macht hat, sowohl zu handeln als auch zu reden, eine wirkliche Kraft für den Weltfrieden.