P. Herrmann: „Zeigt mir Adams Testament“

Es braucht nicht lange darüber diskutiert zu werden: Paul Herrmanns Buch „7 vorbei und 8 verweht“, das 1952 erschien, ist mit einer Auflage von 325 000 Exemplaren und mit Übersetzungen in 10 Sprachen ein echter Bestseller geworden. Das Abenteuer der frühen Entdeckungen, wie auch der Untertitel lautete, ist dort in einer für wissenschaftliche Laien verständlichen Form geschildert – von der dunklen Frühzeit der Menschheit ausgehend, bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts.

Jeder Leser jenes Buches wird gespannt nach einer Fortsetzung dieser Entdeckungsgeschichte gefragt haben. Dieser abschließende Band liegt jetzt vor:

Paul Herrmann: „Zeigt mir Adams Testament – Wagnis und Abenteuer der Entdeckungen“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 639 S., 19,80 DM.

Das Buch beginnt mit den Fahrten des Kolumbus im Jahre 1492 und endet, „weil damit die recht eigentlich ‚klassische‘ Zeit der Entdeckungsgeschichte abgeschlossen ist“, mit der ersten Befahrung des Kongo durch Stanley im Jahre 1877. Was bei der Schilderung der grauen Vorzeit „im ersten Band naturgemäß mehr Vermutung und Rekonstruktion sein mußte, wird in dieser Fortsetzung auf Grund alter zeitgenössischer Dokumente (die zahlreich zitiert sind) zu einem lebendigen und stichhaltigen Gesamtbild verarbeitet. Die zeitgenössischen Berichte über den jeweiligen Entdecker werden dabei nicht nur in unsere Sprache übersetzt, so daß man wirklich Zugang zu den historischen Gestalten erhält.

Herrmann selbst ist kein weltreisender Forscher, sondern Schriftsteller, und das ist gut so: Er also gerät nicht in die Gefahr, eigene Thesen über wissenschaftliche Streitfragen aufzustellen und zu verfechten; er trägt, ohne zu bewerten, lediglich die verschiedenen Meinungen heutiger Forscher zusammen – und läßt den Leser wählen. Dennoch bleibt seine Darstellung nicht nur Referat: Er berichtet über Dinge, die bisher Stiefkind der Forschung blieben, durchaus, wenn auch vorsichtig, neues.

Die stoffliche Fülle dieses Buches und die Kompression der Darstellung wären erdrückend, wenn Herrmann nicht mit derartigen Reizen und geschickt angewandten Stilmitteln aufwartete. Er verfügt über einen Stil, der exakt in der Darstellung ist und die gedankliche Durchdringung des Dargebotenen leicht macht. o. f.