Paris, Anfang November

Auch als Botschafter in Paris verleugnet Dr. Vollrath Frhr. von Maltzan seine alte Liebe zum Außenhandel nicht: am Dienstag der vergangenen Woche gab er einen Empfang, der ausschließlich der Förderung und Festigung der Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und der Bundesrepublik gewidmet war.

Dieser Gedanke war ausgezeichnet. Der Botschafter und seine Gattin konnten in ihren Privaträumen in der Avenue Foch über 600 Gäste begrüßen. Unter ihnen befanden sich nicht nur maßgebliche Vertreter aller zuständigen französischen Ministerien, auch Experten der OEEC, der Europäischen Zahlungsunion und der Montan-Union waren der liebenswürdigen Einladung von Botschafter von Maltzan gefolgt, um ihr Interesse an der Intensivierung der deutsch-französischen Wirtschaftsverbindungen zu bekunden. Für die französischen Vertreter westdeutscher Firmen, die sich nahezu vollzählig in der Avenue Foch versammelt hatten, bot sich eine ungewöhnlich günstige Gelegenheit, mit führenden deutschen Unternehmern, Vertretern der am Export nach Frankreich besonders interessierten Verbände und Wirtschaftsjournalisten in ein fruchtbringendes Gespräch zu kommen.

Daß sich diese Gespräche auch mit der jüngsten Entwicklung am Suez und nicht zuletzt mit der ungarischen Tragödie beschäftigten, ist ganz selbstverständlich. Als nicht ganz so selbstverständlich muß dagegen das beharrliche französische Schweigen auf die Frage nach dem Sinn (oder Unsinn) des Beibehalten der hohen Schutzzölle für die französische Automobilindustrie angesehen werden, über die neben der Bundesrepublik auch die Vereinigten Staaten seit langem verbittert sind. Übrigens sehr zur Freude der Autointeressenten in Frankreich, die auf ihre zollgeschützten Kraftfahrzeuge „Made in France“ nach der Bestellung im Durchschnitt zwölf Monate geduldig warten müssen, ehe sie geliefert werden können. Selbst in Frankreich verstärkt sich die Abneigung gegen solche Zollmauern, für die im Zeichen der europäischen Wirtschaftsintegration eigentlich schon lange kein Platz mehr sein sollte... Willy Wenzke