Die oHV der Ford-Werke AG, Köln, brachte erwartungsgemäß eine scharfe und massive Opposition der noch verbliebenen freien deutschen Aktionäre gegen die Dividenden- und Finanzierungspolitik des Großaktionärs, der Ford Motor Company in Detroit, bei dem rund 85 v. H. des 72 Mill. DM betragenden AK liegen. Da zugleich die Art, wie die HV vom AR-Vorsitzer Dr. Hauß geführt wurde, wiederholt die Mißbilligung der Aktionäre hervorrief, herrschte in der fast achtstündigen HV eine gespannte Atmosphäre. Von dem vertretenen AK von 67,181 Mill. DM, davon (1,5 Mill. Großaktionärsaktien, stimmten 2,62 Mill. bei 115 000 DM Enthaltungen gegen den Verwaltungsvorschlag und die Entlastung, wobei 1,47 Mill. DM Protest zu Protokoll gaben. Die Kapitalerhöhung, die abweichend von der Tagesordnung auf 48,043 Mill. DM lautete, wurde gegen knapp 1 Mill. DM und rund 230 000 DM Enthaltungen beschlossen. Von rund 5,68 Mill. freien Aktien opponierten also rund 40 v. H. Die Aktionäre setzten durch, daß die Verwaltung anläßlich des 25 jährigen Jubiläums dem Großaktionär die Verteilung eines Bonus von 3 v. H. an die freien Aktionäre vorschlagen möge, und zwar zu Lasten des Gewinnvortrages, der dann statt rund 0,85 rund 0,5 Mill. DM betragen würde. Für diesen Kompromiß setzte sich in einer während der HV eingelegten Vorstands- und Aufsichtsratssitzung der stets vermittelnde Vorsitzer des Vorstandes, Erhard Vitger, mit Nachdruck ein.

Zuvor war von mehreren Opponenten der Verwaltung vorgeworfen worden, daß sie eine Finanz- und Dividendenpolitik ausschließlich im Interesse des Großaktionärs verfolge. In dem Ford-Unternehmen werde, so stellte Assessor Koppenberg von der Schutzvereinigung, für Wertpapierbesitz fest, mit dem Mittel der Dividendenpolitik „eine ganz bewußte Politik der Aussteuerung der freien Aktionäre zu deren Nachteil und zum Vorteil des Großaktionärs mit einer übertriebenen Selbstfinanzierung und einer Hungerdividende betrieben“. Es gebe in Deutschland viele Unternehmen, so sagte er, die – ohne einen amerikanischen Onkel zu besitzen – ihre Investitionen auf andere und dem Kapitalmarkt gerechter werdende Weise finanzieren.

Die Opposition rechnete aus, daß das erzielte wirtschaftliche Ergebnis des Jahres 1955 rund 18,6 Mill. DM betrüge – der steuerliche Reingewinn erreicht sogar 23 Mill. DM –, die Dividendensumme betrage aber nur 3 Mill. DM oder 5 v. H. bei einer in Wirklichkeit erwirtschafteten Dividende von fast 26 v. H. Die Opposition hielt eine Dividende von mindestens 10 v. H. für angemessen. Da sie aber die Bilanz wegen der gesetzlichen Bestimmungen nicht ändern kann, wurde der – anschließend abgelehnte – Antrag gestellt, zu Lasten des Gewinnvortrages von 850 000 DM ein weiteres Prozent zu verteilen.

Die Verwaltung entgegnete mit ihren gleichen schon seit Jahren bekannten Hinweisen auf die Investitionsprogramme und die „besondere Lage des Unternehmens“, ohne daß die Argumente des AR-Vorsitzers auch nur um ein Gramm an Gewicht gewonnen hätten. Bei 200 Mill. D-Mark Investitionsprogramm machen 1 oder 2 Mill. DM höhere Dividendenausschüttung keinen Betrag aus. Von einer „besonderen Lage“ kann bei Ford, verglichen mit anderen deutschen Autowerken, auch nicht gesprochen werden, höchstens im Sinne einer günstigen Relation, da hier weder Demontagen noch Bombenverluste zu verzeichnen waren und sehr frühe Produktionslimitsvorgelegen hatten. Demgegenüber erhält die Auffassung der Opposition wesentlich mehr Gewicht, daß nämlich niedrige Dividenden den deutschen Aktionär veranlassen sollten, sich von diesem „uninteressanten“ Papier, bei dem er doch nur Ärger habe, zu trennen, um die Alleinherrschaft des amerikanischen Großaktionärs über die Börse zusammenzukaufen. Wegen der niedrigen Dividende liegt der Kurswert der Aktie weit unter dem eigentlichen Wert des Papiers.

In diesem Zusammenhang wurde von den deutschen Aktionären darauf hingewiesen, daß der Anteil der freien Aktionäre in zwei Jahren von knapp 40 auf rund 15 v. H. abgesunken sei. Der Großaktionär habe an seinen verschiedenen Finanztransaktionen, die, wie erinnerlich, zum Teil noch durch Verwendung von Sperrmarkbeträgen besonders lukrativ gewesen waren, bisher einen Kursgewinn von über 20 Mill. DM gemacht. Das Unternehmen schade, so wurde weiter ausgeführt, nicht nur den sich in hoffnungsloser Minderheit befindenden freien Aktionären, sondern auch dem Ansehen des deutschen Kapitalmarktes. „Das Verhalten des Großaktionärs macht deutlich, daß das deutsche Aktienrecht unzulänglich ist. Bei einer Aktienrechtsreform wird der Fall Ford seine besondere Rolle zu spielen haben, wenn es darum geht, den Schutz der Minderheit vor Großaktionären der neueren Entwicklung anzupassen“. Was Ford gegenüber den freien Aktionären in den vergangenen Jahren getan hätte, stehe in krassem Gegensatz zu dem, was die Aktienrechtsreform erreichen wolle. Die Aktionäre betonten wiederholt, daß ihnen nicht daran liege, in der HV um ein Prozent Dividende zu feilschen, sondern darauf, die Öffentlichkeit endlich auf diese Art Geschäftspolitik eines Großaktionärs einmal aufmerksam zu machen. Rlt.

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Die Lohmann und Stolterfoht AG, Witten/Ruhr, verzeichnete im Geschäftsjahr 1955/56 (30. 6.) eine Umsatzsteigerung um 9 v. H. gegenüber dem Vorjahr, woran der Export, der besonders gefördert wird, beträchtlichen Anteil hatte. Auch der Auftragseingang ist als recht günstig zu bezeichnen. Der Auftragsbestand sichert die Beschäftigung der Belegschaft von 670 Mann für etwa 7 bis 8 Monate. Damit hat das Unternehmen wieder eine günstigere Entwicklung genommen. Das Werk, das im Krieg weitgehend zerstört und durch Demontage weiter geschwächt worden war, hatte zunächst praktisch stilliegen müssen. Verhandlungen über die Aufnahme langfristiger Kredite wurden überflüssig, als die Mannesmann AG, Düsseldorf, um die Jahreswende 1955/56 sämtliche Aktien erwarb und die erforderlichen Mittel zum Wiederaufbau bereitstellte.