Zieht Bruno Walter sich zurück? Der berühmte österreichische Dirigent Bruno Walter hat die Einladung der New Yorker Philharmonischen Gesellschaft, für sie in der Konzertsaison 1957/58 als Gastdirigent aufzutreten, abgelehnt. Der 80jährige Dirigent erklärte, er sei zwar vierunddreißig Jahre lang mit der Gesellschaft verbunden gewesen, dieses Mal jedoch fühle er, daß die Stunde geschlagen habe, eine Tätigkeit, die ihm so viel bedeutet habe, nicht mehr fortzusetzen und aufzuhören, bevor das Alter ihn dazu zwinge.

100 000 Mark für Mozart. Als erstes Land hat Belgien den Verkauf der internationalen Mozartbriefmarken abgeschlossen. Der Erlös, etwa 100 000 Mark, wurde von der belgischen Königin an die Internationale Stiftung Mozarteum überwiesen, die sich die Pflege des Vermächtnisses Mozarts zum Ziel gemacht hat.

Goncourt-Tagebücher erschienen. Der erste Band der vielumstrittenen Tagebücher der Brüder Goncourt wurde nun, trotz aller Proteste, in Paris in einer Luxusausgabe mit einer beschränkten Auflage von 5500 Exemplaren herausgegeben. Die Brüder Edmond und Jules Goncourt, französische Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, hatten ihr sehr freimütiges Tagebuch mit der Auflage hinterlassen, es dürfe erst 60 Jahre nach dem Tode des letzten der Brüder veröffentlicht werden. Die Nachkommen einiger in den Tagebüchern genannter prominenter Personen hatten in den letzten Jahren wiederholt, auch durch gerichtliche Klagen, gegen die geplante Veröffentlichung Einspruch erhoben.

Brecht-Nachlaß noch nicht gesichtet. Wieviel Bände die Brecht-Gesamtausgabe endgültig umfassen wird, stehe noch nicht fest, da noch umfangreiche Arbeiten notwendig seien, um den Nachlaß Bert Brechts überhaupt erst zu sichten, teilte Peter Suhrkamp mit, in dessen Verlag bisher die ersten fünf Dramenbände erschienen, fünf weitere Bände mit den Stücken Brechts sollen bis zum Herbst 1957 herauskommen. Die Gedichte werden etwa drei Bände umfassen, denen zuletzt die ebenfalls mehrbändige Prosa folgen soll.

Höchste Preise für Dichterbriefe. Überraschend hohe Summen wurden auf der Herbstversteigerung einer Marburger Autographenhandlung geboten. Das Manuskript des Gedichts „Frühlingsstimmen“ von Eichendorff, dessen Schätzwert 400 Mark betrug, wurde mit 2150 Mark verkauft, ein Brief Schuberts mit 3100 Mark und zwei Briefe Thomas Manns (Schätzwert 250 und 400 Mark) mit 1100 und 1300 Mark.

Stiftung des Julius-Campe-Preises verkündet. Mit dem Ziel, schriftstellerische Begabungen zu fördern, hat der Hoffmann und Campe-Verlag anläßlich seines 175jährigen Jubiläums zum Gedenken an seinen Gründer Julius Campe einen Preis von 60 000 Mark ausgesetzt. Er wird auf vier Jahre verteilt und in Form eines unteilbaren Jahrespreises von 15 000 Mark vergeben. Ausgezeichnet werden können Romane und sogenannte Non-Fiction-Bücher, die eine außergewöhnliche Leistung darstellen und vor allem den Geist der Freiheit im Sinne der abendländischen Tradition zum Ausdruck bringen sollen.