Die „Arbeitsgemeinschaft vergleichbarer Güter“ war offenbar der Auffassung, es habe nur wenig Sinn, wenn sie ihre Argumente ihren Freunden vortrüge. Sie begab sich deshalb, zumal sie mit einigen neuen Ideen zur Kartellfrage aufwarten konnte, in die Höhle des Löwen, d. h. nach Frankfurt, um dort mit ihren ideologischen Gegnern die Klinge zu kreuzen. Sie hatte aber Pech. Nicht einer aus der stattlichen Zahl bekannter Frankfurter Publizisten, denen der Gedanke an eine jede Marktabrede ein Greuel ist, war der Einladung gefolgt. Alle ließen sich von jüngeren Kollegen vertreten, die brav ihre Notizbücher vollschrieben, um sich im übrigen in Schweigen zu hüllen.

Mag dies Zufall, mag es Verlegenheit gewesen sein: schade war es auf jeden Fall. Denn die Arbeitsgemeinschaft beleuchtete die Kartelldebatte von einem Standpunkt her, der bisher (ausgenommen die Veröffentlichungen von Dr. H. D. Salinger, Den Haag) meist zu kurz gekommen ist: nämlich aus der Sicht eines künftigen integrierten Europas. Sie hat mit ihrer Feststellung, daß ein gemeinsamer Markt eine einheitliche wirtschaftliche Konzeption und eine in den Grundzügen gleiche Rechtsordnung bedinge, sicherlich völlig recht. Professor Dr. Foehl, Tübingen, gab eine Übersicht über die Wettbewerbsregelung in den verschiedenen europäischen Ländern und legte dar, daß einzig und allein die Bundesrepublik ein Verbotsgesetz beabsichtige, während alle anderen Länder nur den Mißbrauch von Marktabreden verbieten und daß auch keines dieser Länder Neigung zeige, sich die dogmatische deutsche Auffassung zu eigen zu machen. Das wurde von Freunden der Arbeitsgemeinschaft aus Frankreich und England recht deutlich unterstrichen. Die Arbeitsgemeinschaft ist der Auffassung, daß uns dies Veranlassung geben sollte, die Kartellfrage unter dem Gesichtspunkt des gemeinsamen Marktes zu überprüfen, wobei wir uns bewußt sein sollten, daß jeder Versuch, unsere Auffassung anderen europäischen Ländern aufzudrängen, bei den allgemeinen Ressentiments, mit dem Deutschland immer noch zu kämpfen hat, nicht am Platze sei.

Besonders bedeutungsvoll erscheint der Hinweis, daß eine unterschiedliche Wettbewerbsregelung – nämlich Verbotsgesetz im Inland und Mißbrauchsgesetzgebung bei allen anderen Ländern – das internationale Privatrecht überstark belasten muß. Es würden deshalb zwischenstaatliche Absprachen für den gemeinsamen Markt notwendig, die von der Grundlage der Mißbrauchsgesetzgebung ausgehen müßten, weil unsere Handelspartner nichts anderes akzeptieren werden. Rlb.