R. S., Bonn

Die Politik gibt dem Presseball seine besondere Attraktion, aber auch sein besonderes Risiko. In diesem Jahre verdüsterte sie den Glanz seiner Prominenz, und beinahe hätte sie verhindert, daß der Ball die Lichter einer Tanznacht in den Kursälen von Bad Neuenahr überhaupt erblickte.

Das drohende Gewölk am politischen Himmel ließ es dem Bundespräsidenten und fast dem gesamten Bundeskabinett ratsam erscheinen, sich nicht in schicksalsschwerer Stunde in einer so heiter beschwingten Runde zu zeigen und damit etwa einem leicht mißdeutbaren optischen Eindruck Vorschub zu leisten. (Das alles geschah, wohlgemerkt, am Sonnabend. Nach der blutigen Unterdrückung des ungarischen Aufstandes, die am Sonntag einsetzte, hätte der Ball bestimmt nicht stattgefunden.)

Nur der Bundesminister von Merkatz war, von der Presse allgemein freundlich dafür bedankt, mit seiner Gattin erschienen; sei es weil er sich eine eigene Meinung über das schickliche Maß für politische Enthaltsamkeit bei solchem Anlasse gebildet hatte, sei es weil ihm die in diesem Falle offensichtlich erst in letzter Stunde festgelegten Richtlinien der Politik nicht mehr rechtzeitig bekanntgeworden waren. So gab er dem deutschen Prestige auf diesem Ball gegenüber jenen ausländischen Missionschefs, die trotz der politischen Fernbeben zum Tanze gekommen waren, Rückhalt.

Auch der Bundestag war nur durch einen Teil seiner Prominenz vertreten; denn viele waren in Bangkok. Von der Opposition sah man den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD, Mellies; von der FDP Dr. Dehler, der wie immer fleißig und gut tanzte, und den Vizepräsidenten Dr. Becker; von der SPD ferner Professor Gülich; von der CDU Frau Steinbiß, Dr. Neuburger ..., hören wir auf, sie alle einzeln aufzuzählen. Das könnte schließlich zu einem protokollarischen Lapsus führen.

Fast müssen wir befürchten, bereits jetzt einen solchen begangen zu haben, indem wir zu spät die Anwesenheit der Staatssekretäre Sonnemann, Westrick und Wandersieb erwähnen (wer weiß, ob dem Chronisten nicht im Gewühl der 1500 Gaste noch einer entgangen ist), sowie die Anwesenheit einiger Länderminister und der Repräsentanten der Wirtschaft.

Einer, der sich bestimmt nicht übergangen fühlte, selbst wenn wir seiner vergessen hätten, ist der Bundespressechef von Eckardt, dem Amte nach bei der Regierung, aber mit dem Fingerkribbeln bei den Journalisten.