Bei einer „Fahrt auf die Dörfer“, die neulich von der Verbindungsstelle Industrie/Landwirtschaft (Sitz Essen) veranstaltet wurde, ergab sich auch die Gelegenheit, einen Kollegen aus der Landwirtschaftlichen Fachpresse über seine Erfahrungen zu hören. Der Hauptschriftleiter der „Bauernzeitung für das Oberland – wir können hier, um dem Manne keine Ungelegenheiten zu bereiten, nur einen fingierten Titel angeben – berichtete unter anderem im Tone leichter Resignation (nach dem Motto „da kannst halt nix machen...“) über einen Anruf, der von der obersten Landeskulturbehörde gekommen war, nachdem das Oberländer Blatt sich wieder einmal sehr nachdrücklich über den Nutzen der Flurbereinigung geäußert hatte. Die Behörde reagierte darauf mit der dringenden Bitte, man möge doch die Bauern nicht noch mehr, als bisher schon geschehen, mit der Nase auf die hier liegenden Möglichkeiten einer nachhaltigen Rentabilitätsverbesserung hinweisen: „... wir können uns ja jetzt schon vor Anträgen nicht retten!“

Es wäre, wie gesagt, nicht ganz fair, den Ort (und damit das Land) zu nennen, wo sich diese – verbürgte – Geschichte zugetragen hat: denn wahrscheinlich handelt es sich da um keinen Ausnahmefall, und vermutlich ist die Haltung der Landeskulturbehörden in anderen Teilen des Bundesgebietes nicht viel anders, als in jener Landeshauptstadt, aus der unser Gewährsmann kam. Wenn man freilich erfährt, was eine (richtig angesetzte) Flurbereinigung, notfalls verbunden mit einem Verfahren zur Dorfauflöckerung („Höfe-Aussiedlung“), für die Gesundung aller – also nicht nur finanziellen – Verhältnisse in den bäuerlichen Betrieben bedeuten kann, dann möchte man ja wohl wünschen, daß die zuständige Behörde die öffentliche Meinung alarmieren sollte, damit mehr als bisher geschieht, um Zustände zu beseitigen, die geradezu einen nationalen Notstand darstellen! Aber auch in den Landeskulturämtern sitzen, wie es scheint, überwiegend „ruhige Beamte“, die brav und ordentlich ihre Pflicht tun, und nicht mehr. Kann man nicht Studenten und junge Diplomlandwirte und dazu betriebswirtschaftlich erfahrene ostvertriebene Bauern und Landwirte als Hilfskräfte heranholen, um in einem beschleunigten Arbeitsgang mit weniger Aufwand an bürokratischer Akkuratesse (und Schwerfälligkeit!), als beim regulären behördlichen Verfahren, überall da helfend einzugreifen, wo die beteiligten Bauern sich über einen freiwilligen Landaustausch bereits einig sind? Kann nicht die Tätigkeit der Siedlungsgesellschaften insoweit aktiviert werden? Und ließe sich nicht, durch Heranholen von Beamten aus anderen Zweigen der landwirtschaftlichen Verwaltung, die im Moment weniger arbeitsüberlastet, sind, der Stab der Kulturbehörden vorübergehend verstärken, damit sich diese „aufsichtsführend“ bei solchen freiwilligen Aktionen einschalten kann, um die wirklich dringliche Arbeit auf diesem Gebiete schnell voranzubringen? Ist die Behörde wirklich nicht wendig genug, um einen „schwerpunktmäßigen Einsatz“ zu improvisieren? Dann müßte die Initiative eben von anderer Seite ausgehen; die Sache eilt allmählich. In einem Bericht, der (unter dem Titel „Wieder beginnt das gleiche Spiel“) in der vorliegenden Ausgabe enthalten ist, wird – gestützt auf präzise Angaben, die kürzlich im „Rundbrief“ der „Agrarsozialen Gesellschaft“ erschienen sind – die Frage aufgeworfen, ob denn wirklich, wie es gerade jetzt wieder von der Grünen Front gefordert wird, der Verbraucher (oder der Steuerzahler) für die Bezahlung des Arbeitsaufwandes aufkommen soll, der einem bäuerlichen Betriebsleiter dadurch erwächst, daß er, um jede seiner Parzellen einmal zu besuchen, immerhin die Wegestrecke von Wiesbaden bis Berlin spazierenfahrenderweise zurücklegen muß... E.T.