Im schleswig-holsteinischen Metallarbeiterstreik hat am Mittwoch die dritte Wochenrundebegonnen. Ein Ende dieses unerfreulichen Konflikts, der von der Öffentlichkeit mit so merkwürdiger Gelassenheit hingenommen wird (allerdings gibt es zur Zeit andere und größere Sorgen), ist immer noch nicht abzusehen. Aber einige Fakten sind zu registrieren, die darauf hindeuten, daß dieses gewerkschaftliche Stoßtruppunternehmen wohl mehr oder weniger an seinem äußersten Aktionsradius angelangt ist.

Mit der Bestreikung von drei weiteren Kieler Betrieben ab Montag befinden sich jetzt 24 Betriebe mit etwa drei Viertel aller in der metallverarbeitenden Industrie Schleswig-Holsteins beschäftigten Arbeiter im Ausstand. Die Einbeziehung auch des letzten Viertels in den Streik und damit die erstrebte geschlossene Demonstration dürfte den Gewerkschaften aber versagt bleiben. Eine ganze Reihe von Belegschaften haben durch ihre Betriebsräte klipp und klar erklären lassen, sich nicht an der Arbeitsniederlegung beteiligen zu wollen. Besonders im Raum Rendsburg und Nortorf sind die Gewerkschaften trotz großer Bemühungen nicht durchgedrungen. Eine geheime Abstimmung in der Ahlmann-Carlshütte (Rendsburg) brachte folgendes Ergebnis: Von 1658 abstimmungsberechtigten Belegschaftsmitgliedern nahmen 1420 teil. Davon stimmten 1101, das sind 77,5 v. H., gegen den Streik und nur 260 (18,3 v. H.) für den Streik. Diese Zahlen sind um so bemerkenswerter, als 65 v. H. der Arbeiter dieses Unternehmens gewerkschaftlich organisiert sind.

Diese Abstimmung in der Ahlmann-Carlshütte wirft ein ungünstiges Licht auf die von den Gewerkschaften vor Beginn des Streiks durchgeführte Urabstimmung. 88 v. H. der Mitglieder der IG Metall sollen dabei für den Streik gestimmt haben. Das mag stimmen. Nicht gesagt wurde aber von den Gewerkschaften, wie viele der Mitglieder der IG Metall sich überhaupt an dieser Abstimmung beteiligt haben und wie viele Betriebe von dieser Abstimmung von vornherein ausgelassen wurden, weil zu befürchten stand, daß die Abstimmungsergebnisse nicht im Sinne der gewerkschaftlichen Streikparolen ausfallen würden. Wenn die Gewerkschaften nicht in den Verdacht kommen wollen, mit ihren Urabstimmungen der Öffentlichkeit einen Wahl-Hokuspokus nach volksdemokratischem Muster aufzutischen, dann werden sie guttun, in Zukunft, wenn wieder einmal gestreikt werden soll, die Abstimmungsergebnisse etwas detaillierter und aufgeschlüsselt für die einzelnen Betriebe vorzulegen. Es besteht begründete Hoffnung, daß diese Urabstimmungen sich dann als eine heilsame Bremse für die stürmische lohnpolitische Aktivität der Gewerkschaften entpuppen werden. kr.