H. G., Hamburg

Den Worten sind die Taten diesmal schnell gefolgt. Und so etwa lauteten die Worte: „Ein Weg, das Verhältnis zwischen den amerikanischen Truppen und ihren deutschen Gastgebern zu verbessern, wäre es, möglichst, baldmöglichst viele US-Soldaten übers Wochenende in nord- und westdeutsche Städte einzuladen und dort in deutsche Familien zu bringen.“ Der diesen Vorschlag machte, der Rundfunkredakteur Werner Baecker („Alliierte Soldaten unter der Lupe“, NDR-Sendung am 31. Oktober, siehe DIE ZEIT, Nr. 45), sorgte nun auch für die Taten.

Und dies also war die erste Tat: Fünfzig GI’s – pardon: 48 GI’s und zwei Damen von der US Air Force – kletterten am Sonnabendmittag vor dem Hamburger Funkhaus in der Rothenbaumchaussee aus ihren Bussen. Fünfzig Gastgeber – Funkangestellte und Mitglieder der Hamburger Amerika-Gesellschaft – standen bereit, wurden „ihrem“ Amerikaner vorgestellt und dann nicht mehr gesehen.

Nicht vor Sonntagabend jedenfalls, als sich Gastgeber und Gäste im Funkkasino wiedertrafen. Dazwischen lag ein Wochenende, oder genauer: lagen fünfzig verschiedene Wochenende, verlebt in einer fremden Stadt, verlebt mit Menschen, die zuerst Fremde und zum Schluß – so klang es aus den Gesprächen – Freunde waren.

„That’s a wonderful idea – solves a lot of difficulties“ beteuerte ein amerikanischer Hauptfeldwebel, der jetzt zum vierten Male in Europa stationiert ist. „Die jungen Soldaten, die man uns herüberschickt, bekommen sehr schnell Heimweh nach den Staaten. Dann brauchen sie ein Ventil, gehen – weil das meistens die einzige Möglichkeit ist, die sich ihnen bietet – in die Bierbars, und dann, you know, sind da junge Deutsche, die brauchen auch ein Ventil – und schon haben wir einen von den berühmten ‚Zwischenfällen‘... Dabei geht es gar nicht in erster Linie um das Problem: amerikanische Soldaten – deutsche Zivilisten, sondern es geht ganz einfach um das Problem, vor dem sich jede untätige Armee in einem fremden Lande sieht: Wie beschäftigt man die Soldaten in der Freizeit?“

„Genau an diesem Punkt“, meint Werner Baecker, „können wir den Amerikanern mit unserem Programm helfen!“ Weihnachten steht vor der Tür, und wenn die Pläne des Norddeutschen Rundfunks, der sich als Vermittler auch weiterhin zur Verfügung stellt, in Erfüllung gehen, dann werden am 24. Dezember in Hamburg, Kiel, Lübeck, Göttingen und Hannover amerikanische Soldaten unter deutschen Tannenbäumen sitzen.

Einer von den GI’s hieß Andrew. Sein Großvater – vielleicht hieß er Andreas – verließ vor gut einem halben Jahrhundert Deutschland, verließ seine Heimat Schleswig-Holstein und fuhr hinüber in die Neue Welt. Andrew, stationiert in „Fränkfört“, verbrachte das Wochenende bei einer Familie in Ahrensburg – in Schleswig-Holstein. Dem kleinen Sohn der Familie – er heißt Andreas – kam der fremde Onkel zuerst gar nicht geheuer vor. Doch dann, als die ersten zögernden und noch unbeholfenen deutschen Worte aus amerikanischem Munde kamen, war Andreas beruhigt: „Papi, er kann schon sprechen.“