Auf ein Wort“ bittet der NDR/WDR seit ein paar Monaten seine Hörer allabendlich (um 22.05 Uhr) an die Lautsprecher. Diese Sendung, in der man schon manch vernünftiges, zum Nachdenken anregendes Wort hörte zu den Fragen, die uns alle bewegen (oder bewegen sollten) – diese Sendung dauert nur fünf Minuten. Doch das ist lang genug, wenn man Wichtiges zu sagen hat. So Wichtiges wie Gert Theunissen, der (am letzten Donnerstag) jenen leichtfertigen und verdrehten Satz aufgriff, den man jetzt – auf Engländer und Franzosen gemünzt – allerorten hört: „Die anderen sind auch nicht besser als wir!“ Wenn man schon – meint Theunissen – vergleichen, wenn man schon den einen nicht besser sein lassen wolle als den anderen, dann müsse es doch wohl heißen: „Wir sind auch nicht besser als die anderen!“

Denen, die so schnell bei der Hand sind, das moralische Schuldkonto des einen gegen das des anderen aufzuwiegen, mag die Sendung, die am nächsten Abend auf der gleichen Welle zu hören war („Die Kristallnacht.“ Ein Hörbild von Bastian Müller. WDR, 9. November, 20.45 bis 21.30 Uhr), ihr? abstrakten und selbstgefälligen Schuldkalkulationen doch ein wenig durcheinander gebracht haben – sofern sie sich nicht durch eine kleine Handbewegung zur Tanzmusik hinüberretteten. Hier ging es um jene, jetzt gerade 18 Jahre zurückliegende Nacht, in der zum ersten Male und für alle Welt sichtbar der Judenhaß des Dritten Reiches umschlug in die organisierte Judenverfolgung. In Berlin wurde zerschlagen und geschlagen, und im ganzen Reich brannten die Synagogen. Die zersplitternden Scheiben waren der Anfang: das Töten auf Befehl wurde von nun an straffrei. Göring selbst nahm das Programm in die Hand: innerhalb von acht Tagen brachte er alle Verordnungen und Gesetze unter Dach – die Juden waren zu Parias geworden, rechtlos, mit dem gelben Stern gebrandmarkt, beschimpft, vernichtet.

Es ist ein Verdienst des Funks, im richtigen Augenblick das Gedächtnis derjenigen aufzufrischen, die ihr schlechtes Gewissen mit der Feststellung beseitigen wollen: „Die anderen sind eben auch nicht besser.“ Die Sendung wird, da sie durch eine technische Störung mehrfach Unterbrüchen wurde, am 7. Dezember wiederholt. –

Wir werden sehen:

Montag, 19. November, 20.45 Uhr: Unter dem Titel „Der Kran“ eine neue Zeichengeschichte von Reiner Zimnik, die das Schicksal eines kleinen Mannes und einer großen Maschine erzählt.

Mittwoch, 21. November, 21.30 Uhr, am Buß- und Bettag: eine Diskussion über das Thema „Die Chancen des Christentums heute – Bilanz der Kirchentage“.

Wir werden hören: Donnerstag, 15. November, 20 Uhr aus Stuttgart: