Auf der HV der Schlesische Dampfer - Compagnie - Berliner Lloyd AG, Hamburg, stand die in letzter Zeit häufig diskutierte Frage im Vordergrund, ob dem Aktionär auf lange Jahre ein Dividendenverzicht zugunsten des Wiederaufbaus oder der Konsolidierung eines Unternehmens zugemutet werden könne. Es ist verständlich, wenn diese Frage von der Verwaltung uneingeschränkt bejaht wird. Anders steht es dagegen mit der Meinung des Aktionärs, Hier wird es problematischer. Grundsätzlich soll die Verwaltung einen Kompromiß anstreben, denn keinem Aktionärwird es auf die Dauerohne Dividendebesonders wohlsein, mögen die Argumente, die für einen Dividendenverzicht angeführt werden können, noch so schwer wiegen. So geht es auch den freien Aktionären der SchlesischenDampfer-Compagnie, deren AK sich zu 82 v. H. in Bundesbesitz befindet. Bis auf eine Ausnahme haben sie dennoch der Konsolidierung des Unternehmens den Vorrang vor einer Dividendenzahlung zuerkannt. Die Früchte dieser Zurückhaltung sollen sie jetzt ernten, denn der AR-Vorsitzende, Staatsfinanzrat Hermann Schilling, hat für 1956 die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen angekündigt, obwohl die in den ersten Jahren nach der Währungsreform eingetretenen Verluste noch nicht ganz ausgeglichen sind, und obwohl die Flotte noch um keiren einzigen Neubau vermehrt worden ist. Um die Verluste auszugleichen, hat das Unternehmen Anlagen und wertvolle Beteiligungen veräußern und Rücklagen auflösen müssen. Außerdem darf nicht vergessen werden, unter welchen Umständen der Start für das früher, im Osten beheimatete Binnenschiffahrtsunternehmen, das harte Kriegs- und Nachkriegsverluste erlitten hatte, erfolgen mußte. Mit Beginn des Jahres 1956 ist die Gesellschaft nun in einen neuen Abschnitt seiner langen Geschichte eingetreten. Die Konsolidierung ist erreicht, und dem Unternehmen steht – wie ein in Schiffahrtsfragen versierter Aktionär auf der HV prophezeite – eine hoffnungsvolle Zukunft bevor. Behält er recht, dann bekommt der Aktionär über einen entsprechenden Aktienkurs eine Entschädigung für sein jahrelanges Stillhalten. u e