C. D., Johannesburg, im November

Deutschland und Südafrika sind Freunde und waren immer Freunde. Fast alle Mitglieder des südafrikanischen Kabinetts sprechen deutsch, auch der Ministerpräsident Strijdom. Alle lesen sie deutsche Literatur. Fast jeder von ihnen ist in den letzten Jahren in Deutschland gewesen. So war es ein Gebot dieser gegenseitigen Hochschätzung, daß mit Professor Erhard nun zum ersten Male auch ein deutscher Minister der Südafrikanischen Union einen offiziellen Besuch abstattete. Daß es der Wirtschaftsminister ist, hat man hier besonders begrüßt: denn die Freundschaft zwischen den beiden Ländern ist keineswegs nur platonisch, sondern hat ein festgefügtes wirtschaftliches Fundament.

Minister Erhard hat mit einigem Erstaunen bemerkt, daß auf dem Jahresbankett der deutschsüdafrikanischen Handelskammer in Johannesburg mehr als 300 deutsche Kaufleute und Industrielle zugegen waren, um ihn zu feiern. Als er den einzelnen die Hand schüttelte, fielen fast alle Namen der großen deutschen Industriellen und Werke, die ihre Häuser, Filialen oder Vertretungen hier haben. Übrigens tragen auch viele der afrikanischen Wirtschaftler und Ministerialbeamten deutsche Namen und sprechen deutsch.

Man merkte es dem Minister an, daß er sich plötzlich nicht mehr im fremden Lande, sondern bei guten Freunden zu Gast fühlte. So war es für ihn nicht schwer, bei seiner Ansprache den richtigen Ton zu geben. Es war für uns alle ergreifend, hier in Johannesburg, 8000 Kilometer von Bonn entfernt, die Historie des deutschen Wiederaufbaus und die dahinterstehende Philosophie der Freiheit und Liberalität noch einmal aus seinem Munde zu hören. Prof. Erhard hat auf die Afrikaner und auf die Deutschen einen Eindruck gemacht, der für lange Zeit die freundschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder vertiefen wird.

Gemessen an den Erwartungen, die manche Wirtschaftskreise an den deutschen Ministerbesuch geknüpft hatten, ist die sachliche Ausbeute freilich gering, in mancher Beziehung sogar negativ. Südafrika braucht für seine Entwicklung immer noch einen ständigen Kapitalzufluß. Die bis vor zwei Jahren reichlich sprudelnden Quellen in England und den USA sind zu einem dünnen Rinnsal geworden. So hofften viele maßgebliche Leute in der Union, Deutschland werde sich in gewissen Zweigen der südafrikanischen Rohstoffproduktion mit Kapital engagieren, wie es etwa die USA in der hiesigen Uranerzeugung getan haben.

Diese Hoffnung hat der Wirtschaftsminister der Bundesrepublik mit wenigen unmißverständlichen Sätzen zerstört. Auf einer Pressekonferenz in der Landeshauptstadt Pretoria hat er festgestellt: Erstens einmal braucht Deutschland noch auf Jahre hinaus jeden Pfennig seines nach dem Kriege so zusammengeschmolzenen Kapitals für den eigenen Aufbau. Und zweitens widerspricht es den Grundsätzen der deutschen Wirtschaftspolitik, durch Anleihen oder eigene unternehmerische Initiative des Staates auf die Wirtschaft anderer Länder einen – wie auch immer gearteten – politischen Einfluß zu nehmen. – Das waren klare, doch recht enttäuschende Worte.