K-a, Heidelberg

Kurz nach dem Bulganin-Brief an Großbritannienund Frankreich setzte, wie in so vielen deutschen Städten, auch in Heidelberg ein angstvoller Hausfrauenrun auf die Lebensmittelgeschäfte ein.

Jeder wollte sich mit Vorräten eindecken. Teigwaren, Öle und haltbare Fette waren am meisten gefragt. Dreißig Pfund Nudeln, fünfzig Pfund Mehl und zwanzig Dosen Öl wurden von einzelnen Kunden abgeschleppt. Die Kleinhändler mußten sich eilen, ihre Vorräte aufzufüllen. Ein Ölgroßhändler ist bis April nächsten Jahres ausverkauft.

Eine Frau verlangte zwanzig Dosen schwarze Schuhcreme. Rührende Vorstellung, daß es Leute gibt, die den Gedanken, mit ungeputzten Schuhen in den Krieg zu gehen, anscheinend unterträglich finden.

Überhaupt hatten diese Angstkäufe viel Rührendes. Die Bestellungen der Frauen zeigten, daß sie mehr an die Familie vor allem an die Kinder – als an sich selber dachten.

Und doch lauert hinter all dem Verständlichen, Menschlichen und sogar Rührenden ein Egoismus, den auch die sprichwörtliche Feuerscheu des gebrannten Kindes nicht ausreichend erklärt.