D.A., Lübeck

An einem Sonntag, dem 24. Januar 1954, betrat der Schmied Walter Lütjens nach 20 Uhr in bester Laune und leicht angeheitert die Gaststätte „Glühwürmchen“, in der er hocherfreut an einem Tisch den Postschaffner Radschat erblickte, der in Begleitung eines jungen Mädchens war. Lütjens setzte sich redselig auf einen der noch freien zwei Stühle und unterhielt sich mit Radschat, der vergaß, dem Schmied zu sagen, daß die Stühle von einem zur Zeit gerade tanzenden Paar belegt waren.

Da erschien der Ehemann der Wirtin und sagte: „Diese Plätze sind besetzt.“ Lütjens unterhielt sich weiter mit Radschat. Der Wirt forderte Lütjens noch einmal auf, der jedoch – in der Annahme, es könne ja noch ein zusätzlicher Stuhl geholt werden – den Wirt nicht weiter beachtete.

Der Wirt packte nun, erbost, daß der Gast sich nicht den Gepflogenheiten des „Glühwürmchens“ fügte, Lütjens beim Arm, zog ihn hoch und war im Begriff, ihn hinauszuwerfen. Lütjens wehrte sich.

Da erhob sich von einem anderen Tisch, auf ein Zeichen des Wirtes, der Zimmerer Otto Daugs, und gemeinsam stießen und schlugen sie nun den sich Wehrenden zur Tür. Lütjens wurde zu den Klängen der Tanzmusik regelrecht zusammengeschlagen und aus der Tür gestoßen.

Taumelnd und halb besinnungslos kam Lütjens zurück und zerschlug einige Türscheiben. Er schimpfte auf das „Glühwürmchen“ und glaubten guten Grund dazu zu haben. Nun rief die Wirtin den Polizeiposten Schwarzenbeck um Entsendung eines Polizeibeamten an. Es erschien der damals 31 Jahre alte Polizei-Oberwachtmeister Kollmorgen, ließ sich unterrichten und schritt sogleich ein. Er verlangte von dem sichtlich mitgenommenen Lütjens den Ausweis. Der antwortete: „Mit dir habe ich nichts zu tun, sondern nur mit denen da“, wobei er auf die „Glühwürmchen“-Besitzer wies. Kollmorgen packte Lütjens am Arm, um ihn gewaltsam abzuführen. Lütjens riß sich los. Kollmorgen griff zum Gummiknüppel. Die Schläge trat fen Nacken, Rücken, Arme und Hände. Lütjens kapitulierte und ließ sich abführen. Aber am Marktplatz von Schwarzenbeck faßte er sich wieder: „Was soll ich auf der Wache“, sagte er, „ich bin doch kein Verbrecher.“ Der Oberwachtmeister stieß. ihn so, daß Lütjens stolperte und hinfiel. Plötzlich kam der Bäckerlehrling Horst Frisse aus dem „Glühwürmchen“ gerannt, rief: „Das ist der größte Feind meines Vaters“ und schlug Lütjens auf den Kopf und ins Gesieht. Der Polizist, in dessen „Gewahrsam“ sich Lütjens doch schließlich befand (um mit dem Gesetzgeber zu reden), tat nichts, den Angriff zu verhindern. Später erklärte er, er habe nichts bemerkt.

Nach diesem Zwischenfall stieß Kollmorgen Lütjens weiter, der wieder hinfiel. Der Oberwachtmeister schlug auf den am Boden Liegenden ein. Er schlug ihn auf Arme und Beine und forderte ihn dabei auf, aufzustehen. Lütjens sagte immer wieder: „Ich kann nicht“, und schließlich: „Schlagen Sie mich tot, Herr Wachtmeister, ich kann doch nicht aufstehen.“