In den letzten zehn Jahren ist nichts in der Welt und auch nichts in Deutschland geschehen, was jeden in unserem Lande so angegangen wäre, so sehr seine innere (politische, seelische oder moralische) Beteiligung herausgefordert hätte, als die Ereignisse der letzten Wochen in Ungarn und Ägypten. Glücklicherweise erschöpfte sich die Reaktion auf die englisch-französische Intervention nicht mit dem allzu augenfälligen Hinweis auf Nürnberg, sondern forderten zu vielfältiger Stellungnahme heraus. Keine Familie, in der nicht bis in die späte Nacht diskutiert wurde, niemand, der nicht ein großes oder kleines Scherflein zu der Ungarn-Sammlung beigetragen hätte. In vierzehn Tagen hat das Rote Kreuz drei Millionen DM im Bundesgebiet gesammelt, nicht eingerechnet die Spende des Bundes in Höhe von einer Million und die Beiträge, die die Gewerkschaften und andere Organisationen stifteten. Allein in Hamburg wurden 350 000 DM, in Berlin 400 000 DM gesammelt. Die Sachspenden an Lebensmitteln, Kleidung und Decken sind so umfangreich, daß das Rote Kreuz eigene Lager hat mieten müssen. Einige Stellen berichten, daß 12jährige Jungen unbedingt Blut spenden wollten und entrüstet waren, als man sie abwies. Die Ereignisse der letzten 14 Tage haben offenbar die Fenster in Deutschland aufgestoßen. D