August Winnig gestorben. Der Schriftsteller August Winnig, Inhaber des Dr. h. c. theol. der Universität Göttingen und Träger des Großen Bundesverdienstkreuze, verstarb achtundsiebzigjährig in Wöltigerode/Harz. Als Sohn aus dem deutschen Arbeiterstand hatte er sich zu den Höhen der Bildung und Geltung seiner Zeit emporgearbeitet. Maurergeselle, Gewerkschaftsbeamter, Oberpräsident von Ostpreußen, Verfasser zahlreicher autobiographischer, essayistischer und soziologischer Schriften – das sind die Stationen seines langen Lebensweges. In Winnigs Person manifestierte sich der Weg der jüngsten Volkstumsschicht, des deutschen Arbeitertums – nicht wie er gegangen wurde, sondern wie er hätte gegangen werden können und sollen.

Verschlossene Türen. Die Saaltüren des Palais de Chaillot, des größten Theaters von Paris, bleiben in Zukunft auf Anordnung des Hausherrn, Jean Vilar, für die zu spät kommenden Besucher geschlossen, wenn die Vorstellung begonnen hat, um Störungen des Publikums zu vermeiden. Die Säumigen können das Stück jedoch vom Foyer aus verfolgen, in das die Vorstellung durch eine Fernsehanlage übertragen wird. Erst in der Pause können sie ihre Plätze einnehmen. – Das Mannheimer Nationaltheater plant die gleiche Einrichtung.

Jazz in der Kirche. Als „bisher in ganz Deutschland einmalig“ bezeichnete die sowjetzonale „Nationalzeitung“ ein Konzert der Studentenjazzband der Universität Halle in der Halleschen Marktkirche Unserer lieben Frauen. Slowfox, Blues und andere langsame Weisen wurden vorgetragen. An dieser Entweihung eines sakralen Raumes wirkten auch die Düsseldorfer Spiritual Singers mit.

Magdeburger Kirchen verschwinden. Die Heiliggeistkirche und die St. Annen Kapelle in Magdeburg sollen nunmehr abgerissen werden, weil sie an der Seite des geplanten neuen Rathauses „störend“ wirken. Vor einiger Zeit fiel bereits die Ulrichs-Kirche dem „sozialistischen Aufbau“ zum Opfer.