Mehr als 18 Monate wurde über den Bau einer Rohrleitung verhandelt, die einen der Nordseehäfen mit den Raffinerien im Rhein-Ruhrgebiet verbinden soll. Rotterdam und Wilhelmshaven standen zur Debatte. Nach sorgsamem Abwägen der in Betracht kommenden Gesichtspunkte ist die Entscheidung für Wilhelmshaven gefallen. Wilhelmshaven ist allein in der Lage, die Voraussetzungen für die Löschung von Supertankern von 45 000 tdw und darüber, besonders hinsichtlich der Wassertiefe, so rechtzeitig zu erfüllen, daß die Inbetriebnahme der über die Rohrleitung zu versorgenden neuen Raffinerie der Esso in Köln gewährleistet ist. Auf das „rechtzeitig“ mußte es der Esso AG, Hamburg, besonders ankommen, denn ihre Kölner Raffinerie braucht allein in der Aufbauphase etwa 3 Mill. t Rohöl und nach beendetem Ausbau sogar 6 bis 7,5 Mill. t jährlich. Für diese zusätzlichen Mengen reicht die Beförderungskapazität der Rheinwasserstraße nicht aus, außerdem gewährleistet sie keine kontinuierliche Versorgung, da die Transportbewegung durch die Wasserverhältnisse beeinflußt wird. Wenn also die fristgerechte Versorgung der Raffinerie sichergestellt werden sollte, mußte nun endlich die Entscheidung über das Pipeline-Projekt fallen.

Gegründet wurde die Nord-West Ölleitungs GmbH mit einem Gesellschaftskapital von ‚65 Mill. DM und mit dem Sitz in Wilhelmshaven. Sie, wird bis 1959 eine Pipeline errichten, die im endgültigen Ausbaustadium eine Durchsatzkapazität von jährlich etwa 20 Mill. t erreichen soll. Die Kosten der Rohrleitung stellen – sich auf etwa 200 Mill. DM. Ihre Aufbringung gilt im wesentlichen als gesichert. Wahrscheinlich wird über eine Bankengruppe an den Kapitalmarkt herangetreten werden. An der Nord-West Ölleitungs GmbH werden sich folgende Firmen beteiligen: BP Benzin- und Petroleum-Gesellschaft mbH, Hamburg; Esso AG, Hamburg; Ruhrbau Mineralölraffinerie GmbH, Mülheim/Ruhr; Ruhrchemie AG, Oberhausen-Holten; Scholven-Chemie AG, Gelsenkirchen-Buer; Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG, Köln.

Die Esso AG macht kein Hehl daraus, daß sie eine ausschließlich im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik verlaufende Rohrleitung gegenüber einer Trasse vorzieht, die sich durch zwei Länder erstreckt. Im übrigen wird bei normaler Entwicklung die Verbrauchszunahme an Mineralölprodukten bis 1965 in Westeuropa auf das zweieinhalbfache, in der Bundesrepublik sogar auf das dreifache geschätzt, so daß mit der Entstehung eines westdeutschen Pipelinesystems zu rechnen ist, in dem der jetzt beschlossene Rohrleitungsbau ein Teilstück darstellen könnte. Gewissermaßen als Trost für Rotterdam wird erklärt, daß man im Zusammenhang mit dem Marseiller Pipelineprojekt den Bau eines weiteren Rohrleitungsstrangs vom westdeutschen Industriegebiet nach Rotterdam keineswegs für ausgeschlossen hält. u e