Nach dem im Jahre 1953 abgeschlossenen Wiederaufbau der in den Kriegsjahren zu rund 47 v. H. zerstörten Produktionsanlagen der Adam Opel AG ergab sich in Rüsselsheim bereits 1954 eine Vollausnutzung aller Fertigungsmöglichkeiten. Die Folge war, daß sich das Werk nicht in der Lage sah, mit der von Jahr zu Jahr steigenden Nachfrage Schritt zu halten und der Opel-Anteil an der westdeutschen Automobilproduktion ständig zurückging. Allein bei den Personenwagen fiel der von Rüsselsheim gestellte Anteil von 26,4 v. H. im Jahre 1954 auf 19,8 v. H. in den ersten acht Monaten dieses Jahres. Es entwickelte sich also für das Unternehmen die gebieterische Notwendigkeit, die Werkanlagen großzügig auszubauen. Der erste Schritt wurde 1951/52 mit dem Bau eines neuen PreßWerkes mit acht Pressenstraßen getan, und im Mai 1954 begannen die Bauarbeiten für die ergänzenden Fabrikationsgebäude: Erweiterung des Preßwerkes, des daran anschließenden Karosseriebaues und der sich dieser Produktionsgruppe anfügenden Fertigmontage. Mitte August konnte dann die Produktion in diesem Gesamtprojekt, das die Bezeichnung „Automobilwerk K 40“ trägt und 335 Mill. DM Baukosten erforderte, anlaufen. Beider augenblicklichen Tagesproduktion von etwa 850 Personen- und Lieferwagen sind in diesem hochmodernen Werk 8500 Arbeitskräfte tätig. Schon im Laufe des nächsten Jahres wird aber die volle Tagesproduktion von 1000 Einheiten (im Zwei-Schichten-System) erreicht werden.

Das Werk K 40 wurde ausschließlich für die Fertigung von Personen- und Lieferwagen geplant; die Schnelllastwagen werden weiterhin in den seitherigen Betriebsabteilungen gebaut. Mit einer Arbeitsfläche von 286 000 qm bei einer Länge von 425 m und einer Breite von 298 m stellt diese neue Opel-Produktionsstätte eines der modernsten Automobilwerke der Welt dar. Das Besondere dieser Anlage ist das „laufende Band“. Es ist rund 28 000 m lang, zieht sich in unterschiedlicher Form durch das Werk und bestimmt den Rhythmus der Arbeit. Auf diesem einzigen Band wird das gesamte Opel-Programm (ausgenommen Lastwagen) ohne Unterschied hinsichtlich des Typs, der Farbe und der Ausstattung produziert: also Olympia Rekord, Kapitän, Caravan und Lieferwagen, einfarbig, mehrfarbig, mit Linkssteuerung oder Rechtssteuerung und dem den Kundenwünschen entsprechenden Sonderzubehör.

Damit hat Opel ganz bewußt jene heute schon von den Autofachleuten als überholt angesehene Methode verlassen, die für die Haupttypen jeweils ein eigenes Montageband kannte. Das neue Werk erhöhte die Arbeitsfläche in Rüsselsheim um über 50 v. H., sie beträgt jetzt 797 000 qm. Es ist ganz selbstverständlich, daß bei diesem Neubau, der in den Jahren 1954/55 mit einem Verbrauch von z. B. 27 150 t Stahl die größte Industriebaustelle in der Bundesrepublik war, auch die sozialen Einrichtungen von besonderer Vorbildlichkeit sind, ganz gleich, ob es sich um die Wasch-, Bade- und Umkleideräume, die Sanitätsstation mit drei Werksärzten und 16 Helfern oder um die Speise-, Aufenthalts- und Küchenräume in den einzelnen Stockwerken handelt.

Die Aktivität, die dank der realisierten Pläne jetzt von Rüsselsheim ausstrahlt, hat bereits einen festlichen Höhepunkt erreichen können: am 9. November lief in dem neuen Werk der zweimillionste Opel-Wagen – ein Kapitän – vom Band. Als erste deutsche Automobilfabrik überschritt die Opel AG damit die stolze Zwei-Millionen-Grenze. w w.