Bundestag unterstützt Zigarrenindustrie

In seltener Einmütigkeit haben alle Fraktionen des Bundestages im Einverständnis mit dem Bundesfinanzminister einen Antrag eingebracht, die Tabaksteuer für Zigarren rückwirkend ab 1. Oktober um vier v. H. – also von 23 auf 19 v. H. des Kleinverkaufspreises – zu senken. Allerdings soll diese Steuerermäßigung ausschließlich den Herstellern zugute kommen und sie in die Lage versetzen, eine notwendig gewordene Lohnerhöhung und einen Teil der übrigen Kostensteigerungen zu tragen.

Normalerweise vermerkt der Verbraucher grollend oder auch resignierend alles, was seine Lebenshaltung verteuert, während ein gleichbleibender Preis als selbstverständlich hingenommen und die Steigerung des eigenen Einkommens nicht für erwähnenswert gefunden wird. Nun aber kann die gesamte westdeutsche Tabakindustrie für sich in Anspruch nehmen, daß der Raucher seit einer Reihe von Jahren seinen Bedarf stets zu den gleichen Preisen decken konnte: die Kleinverkaufspreise sind noch nicht einmal um 5 v. H. gestiegen, und die amtlichen Versteuerungszahlen beweisen, daß der Konsument für seine Rauchwaren auch in der Tat nicht mehr ausgibt.

Daß mit der geplanten Steuersenkung für Zigarren nicht auch eine Preisermäßigung verbunden ist, hat seinen besonderen Grund. Das Anziehen der Löhne und die schroffe Aufwärtsentwicklung bei den Tabakpreisen haben vor allem die Zigarrenindustrie in eine akute Notlage gebracht, zumal sie bisher aus Sorge um ihren Absatz auf durchaus notwendige Preiserhöhungen verzichtete. Einer durchgreifenden Rationalisierung sind aber in dieser Branche, die noch immer überwiegend in Handarbeit steht und mit ihren 65 000 Arbeitern und Arbeiterinnen zu etwa 70 v. H. auf dem flachen Land ansässig ist, recht enge Grenzen gezogen. Das Halten der Preise ging also zu Lasten der Rendite. Amtliche Betriebsprüfungen haben selbst bei den größten und bestgelagerten Betrieben eine Unterdeckung ergeben, die noch weit über das Maß der Steuersenkung hinausgeht, zu der sich der Bundestag auf Grund eindeutiger Feststellungen entschlossen hat.

Der Zigarrenraucher darf also an die geplante Steuersenkung keine falschen Hoffnungen knüpfen. Er muß im Gegenteil auf die Dauer geringere Veränderungen – sei es in Fasson, in der Güte oder gar im Preis – hinnehmen. Doch schon jetzt dürfte feststehen: wenn die bisherigen Leistungen in der Qualität der Zigarren, Zigarillos und Stumpen aufrechterhalten werden sollen, sind auf weite Sicht gewisse Preisregulierungen unvermeidbar, we.